
bevor man in York ankommt, weiss man, dass man bald in York ankommt. Bei guter Sicht sieht man schon von weitem die mächtigen Türme der Kathedrale. Celia Fiennes notierte 1685 in ihrem Tagebuch: A noble building, in view at least 30 mile before you come to it. Eine bemerkenswerte Frau aus Salisbury, bereiste sie vor über 300 Jahren alle Counties in England zu Pferde und veröffentlichte später The Journeys of Celia Fiennes. Das legendäre Minster ist, neben altehrwürdigen Mauern, schiefen Stadttoren und winkligen Kopfsteinpflastergässchen, das Wahrzeichen von York.
man in York ankommt, riecht man, dass man bald in York ankommt. Ein angenehmer Duft verkündet das Nahen der Stadt. An der Wigginton Road steht eine lecker Schokoladenfabrik. Die Schleckwerkproduktion hat Tradition in York. Es sind nicht nur klerikale Einrichtungen, die sich hier das Attribut historisch anstecken dürfen. Die erste große Fabrik, „The Cocoa Works“, entstand 1890 in der Haxby Road. Eigentümer war Henry Isaac Rowntree, der 1862 von einem puritanischen Quaker namens Mary Tuke ein kleines, feines Kakao- und Schokoladengeschäft übernommen hatte. Rowntree schuf rasch ein umfangreiches Sortiment verschiedenster Schokoladen und stellte zudem Fruchtpastillen und Kaugummi her. Seine Zutaten kamen über den nahe gelegenen Seehafen von Hull aus der ganzen Welt ins mittelalterliche Städtchen York.

von York aus der vielleicht meistverkaufte Schokoriegel der Welt auf den Weg in eben diese. Die Fabrik an der Wigginton Road steht ganz unter dem Motto: „Have a break – Have a KitKat“. Hier produziert der Konzern Nestlé, der das Erfolgsunternehmen Rowntree 1988 aufkaufte, als größter Arbeitgeber der Stadt neben dem Dauerbrenner KitKat noch zahlreiche weitere Schokoriegel und viele, viele bunte Smarties. Rund 1.200 Mitarbeiter verrühren hier in drei Schichten, rund um die Uhr, Kakao, Fett und Zucker, backen knusprige Waffeln und ziehen sie durch allerlei Schokosoßen. Über 400 Stück pro Sekunde, 13 Milliarden KitKat pro Jahr, exportiert in über 60 Länder, seit über 60 Jahren. Vor wenigen Jahren noch war die Auswahl überschaubar, um nicht zu sagen bescheiden. Heute kann der Kunde wählen zwischen KitKat Blutorange, Mango, Passionsfrucht, Pfefferminze, Capuccino, Caramel, Vanille, Limone&Yoghurt, Limone&Limette, Erdbeer&Sahne und Erdnussbutter. Dazu kommen noch Geschmacksrichtungen, die nur für bestimmte Länder produziert werden, wie beispielsweise Haselnuss und White Winter Zimt für Deutschland.
sich in den letzten Jahren annähernd verdoppelt. Besonders wild lieben es die Japaner. Dort steht KitKat neben der Classic-Ausgabe in den Geschmacksrichtungen Ananas, Banane, Traube, Hokkaido Yubari Melone, Rotwein, Grüntee, Zitronenkäsekuchen und Cafe Hokkaido Latte in den Regalen. Besorgte Eltern geben ihren Sprösslingen im Land der aufgehenden Sonne stets ein paar der zuckrigen Riegel mit zu wichtigen Abschluß- und Universitätsprüfungen. Nicht etwa weil sie glauben, der Zuckernachschub halte die Gehirnzellen auf Trab, nein, weil „kitto katsu“ auf japanisch soviel heißt wie „ich hoffe Du gewinnst“ und unter Studenten seit jeher „Alles Gute für die Prüfung“ bedeutet.

der Name wirklich? So genau weiß das keiner mehr, aber es gibt eine interessante Theorie. Der Riegel wurde im September 1935 in London erstmals auf den Markt gebracht und trug zu der Zeit noch den Namen „Rowntree´s Chocolate Crisp“. Erst zwei Jahre später bekam das Kind dann seinen zeitlosen Namen. Die Theorie besagt, dass ein gleichnamiger politischer und literarischer Club in der Shire Lane in Londons Temple Bar District der Namensgeber ist. Dessen Mitglieder waren Whigs, gehörten also der damaligen Oppositionspartei der Tories an. Sie trafen sich im Haus eines gewissen Christopher Cat. Und der war seines Zeichens ein äußerst erfolgreicher Produzent und Verkäufer von Mutton-Pies. Seine beliebten, mit Hammelhack gefüllten Blätterteigtaschen wurden von den Londonern Kit-Kat getauft. Wenig später bekam der Intellektuellenclub dann seinen Proletariernamen verpasst und wurde als Kit-Kat Club bekannt. Vielleicht dürfen wir uns ja zum 75-jährigen Schoko-Riegel-Erfolgs-Jubiläum auf eine limitierte Sonderausgabe KitKat in der Variante Hammelhack&Nugatcreme freuen.

London, für Jahrhunderte die bedeutendste Stadt Englands. Und das Schicksal war York, ebenfalls über Jahrhunderte, gnädig. Eine seltene Kombination in der Geschichte. Die alten Stadtmauern, das Minster und zahlreiche mittelalterliche Gebäude überlebten die Reformation und den Englischen Bürgerkrieg ebenso wie die große industrielle Revolution Englands. Sieht man von den Schokolademanufakturen einmal ab, deren Produkte schon mal schwer im Magen liegen können, gab es in York nie eine Schwerindustrie. Und fast noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Yorker es geschafft haben, ihre Innenstadt mit Leben, modernen Ladengeschäften, mit Cafés und Restaurants zu füllen, ohne dabei ihr historisches Erbe zu verraten. Erstaunlich normal und unbeeindruckt von den rund drei Millionen jährlichen Besuchern fließt das tägliche Leben durch die alten Straßen und schmalen Gassen. Die tragen Namen wie Ousegate, Fossgate, Stonegate, Coppergate, Walmgate, Monkgate, Davygate, Marygate, Colliergate, Micklegate, Castlegate oder Swinegate. In York steht Gate eben nicht für ein Stadttor, sondern für eine Straße. Ein Erbe der Wikinger, die hier am Zusammenfluss der beiden Flüßchen Ouse und Foss im 9. Jahrhundert nach Christus ihr Städtchen Jorvik errichteten. Und in Schweden heißen Straßen eben Gatan und in Dänemark Gade.

Stadttor Bootham Bar, gibt es die günstige Gelegenheit, auf die Stadtmauer zu kraxeln. Nahezu fünf Kilometer lang und bis zu sechs Meter hoch führt sie, sieht man von zwei etwa 400 Meter langen Lücken ab, einmal rund um die Stadt. Im 11. Jahrhundert von den Normannen angelegt, stammt die heutige Mauer größtenteils aus dem 14. Jahrhundert und hat die Belagerungen, Angriffe und Bombardierungen der letzten 800 Jahre erstaunlich gut überstanden. So gut, dass man prima darauf herum spazieren und sich einen prima Überblick über Stadt und Minster verschaffen kann. Ist man erst die ausgetretenen Stufen hinauf gestiegen, blickt man wenig später hinunter in die Gärten, Anlagen und Hinterhöfe zwischen Mauer und Minster, das offiziell auf den Namen The Cathedral and Metropolitan Church of St Peter in York hört. Altes Laub liegt, vom Wind verblasen, in den Ecken. Von hier oben sieht man sehr schön das Oktagon des Chapel House, des Kapitelsaals, der an der Nordflanke des Minsters andockt und 1286 fertig gestellt wurde. Das achteckige Deckengewölbe ist selbsttragend, eine stützende Mittelsäule fehlt und das spitzgiebelige Dach ist fast so hoch wie der klotzige, quadratische Central Tower.

ist schon einen Besuch wert. Eine genaue Betrachtung der in Stein gemeißelten Figuren über den 44 im Kreis angeordneten steinernen Stühlen, auf denen schon Edward I. und II. ihre Parlamentssitzungen abhielten, dürfte in so ziemlich jedem Gesicht die Mundwinkel steil nach oben wandern lassen. Da gibt es einen dümmlich lächelnden König zu entdecken, auf dessen Kopf ein wildes Schwein die Zähne bleckt. Und eine fluchende Frau, deren gottgesandte Strafe in Form eines Adlers bereits auf ihrem Kopf gelandet ist. Er ist gerade dabei, ihr die Augen auszukratzen und, als sei das allein noch nicht Strafe genug, sie auch noch in die Nase zu zwicken. Oder The Face Puller, eine Figur, die sich aus nicht überlieferten Gründen die Gesichtsrunzeln glatt zieht, indem sie mit der linken Hand die Unterlippe nach unten und mit der rechten den Haaransatz mit Macht nach oben reißt. Angsteinflößende Löwen und treublickende Jagdhunde, wilde Affen und schnurrende Kätzchen, gehörnte Widder und stolze Falkner gibt es ebenso zu sehen, wie wenig respektvolle Darstellungen von Priestern.

man auf das Stadttor Monk Bar mit seinen alten Wappen und kreuzförmigen Schießscharten und wieder ein paar Meter weiter auf das südöstlichste Tor, Walmgate Bar. Hier, hinter drei massiv gemauerten Spitzbögen, hatte der brave Quaker Mary Tuke seinen kleinen Laden, bis er ihn in den 1860ern an Henry Isaac Rowntree verscherbelte und damit das Schicksal Yorks für immer und ewig mit der süßen Masse aus Zucker, Kakao und Milchpulver zu einer cremigen Einheit verrührte. Ein paar Meter weiter parkt ein kleiner Lieferwagen auf dem Bürgersteig. In der Seitenscheibe hängt ein weißer Zettel: DELIVERING TO HEAVEN No 37. Herrlich! Ein paar Meter weiter parkt ein Fahrrad, ebenfalls auf dem Bürgersteig. Es ist ordentlich angerostet und mit einem kleinen, handgeschriebenen, in Klarsichtfolie eingeschweißten Pamphlet am Gepäckträger versehen: SAY NO TO All WARS! NO TO BOMBS & GUNS: YES TO AID, SCHOOLS, HEALTH! Die Folie müsste mal erneuert werden, Schwitzwasser hat sich gebildet, die Schrift ist schon leicht verwaschen. In York scheint man das Bedürfnis zu haben, sich zu erklären.
sagt der Engländer indigniert, wenn er das erblickt, was wir schlicht und einfach einen Saustall nennen oder, etwas milder gestimmt, mit „...wie bei Hempel´s unterm Sofa!“ kommentieren würden. Und Shambles heißt die kleine enge Gasse, die sich zwischen den, Besoffenen nicht unähnlich, über dem Pflaster hängenden Fachwerkhäusern durch York schlängelt. Wer hier einen rechten Winkel sucht, der wird scheitern. To shamble bedeutet auch watscheln und Shambles heißt, wörtlich übersetzt, Trümmer- oder Schlachtfeld. Eine nette Analogie, watscheln doch auf dem schiefen, ausgetretenen Pflaster seit Jahrzehnten Generationen von Touristen im Gänsemarsch vorbei an Mode-, Nippes-, Bücher- und Schokoladeläden. Das war hier nicht immer so. Denn „what a shamble“, „was für ein Schlachfeld“, war einstmals wörtlich zu nehmen – Analogie No. 2. Hier in dieser engen Gasse waren über Jahrhunderte die Yorker Metzger beheimatet. Noch vor hundert Jahren fuchtelten hier 31 Metzger mit ihren langen Messern. Wo heute an kunstvoll geschmiedeten Aufhängungen handgemalte Schilder mit der Aufschrift Mr. Sandwich, Chapterhouse Book Shop, Yorkshire Leather&Sheepskin oder Chocolate Heaven im Wind schaukeln, hingen damals an derben Metzgerhaken die armen Schweine mit durchschnittener Kehle und ließen ihre letzten Blutstropfen aufs Pflaster fallen. Kurzum, es war eine rechte Sauerei, „what a shamble“ eben.

Sträßchen ein Schmuckstück der Stadt. Die mit großen, rechteckigen Steinplatten belegten Gehwege sind, zusammen genommen, so breit wie das Sträßchen dazwischen. Sich eng an den Bordstein schmiegend liegen noch immer die langen, schmalen Platten, über die einst die eisenbeschlagenen Holzkarrenräder rumpelten. Dazwischen findet sich das eng verlegte Kleinpflaster. Und nach wie vor ragen die Jahrhunderte alten Häuser schief und krumm übers Pflasterwerk. Jedes Stockwerk wagt sich ein Stück weiter heraus, so schuf man zusätzlichen Platz innerhalb der eng gezogenen Stadtmauern. Auf Giebelhöhe scheinen sich die Dachvorsprünge fast zu berühren, kaum ein Sonnenstrahl schafft es bis ganz nach unten. Man kann sich dem Eindruck kaum erwehren, dass sich die Häuser gegenseitig stützen, gegenseitig Trost zusprechen.

Shambles liegt Newgate Market, ein Krämermarkt, wie er britischer nicht sein könnte. Es gibt fangfrischen Fisch aus Scarborough und Bridlington, zart rosa schimmernde Litschi aus China, Kauknochen und Quietschebälle für Hunde, vermutlich auch aus China, treudoof blickende Porzellanhündchen und victorianischen Porzellanzuckerdosen, Damenslips im Zwölferpack und Obst und Gemüse sowieso. Auch die unvermeidlichen Handy-Oberschalen mit auflackierten Rennwagen, Riesenbrüsten und nackten Hintern sind zu haben. Daneben Ladekabel, Head-Sets und vietnamesische Schlagbohrmaschinen. Alles aufgestapelt auf klapprigen Holztischen und darüber die unvermeidlichen, grün-weiß-gestreiften Plastikplanen.

steht ein Künstler hinter seiner Staffelei, an einer Ecke des Newgate Market und zeichnet. Er zeichnet die Yorkshire Dales, die rauen Hochmoore aus der Familiensaga Wuthering Heights von Emily Bronte, die kleinen Fischkutter von Bridlington und Scarborough und winzige Häuschen mit riesigen Hortensien davor. Er zeichnet England wie es einmal war und wie es seine Kunden noch immer sehen möchten. Und natürlich zeichnet er York, immer wieder, seit Jahren. Er fertigt Bleistift- und Tuschezeichnungen von Clifford´s Tower, von den Shambles, der All Saints Church, den backsteinernen Häusern mit ihren unzähligen Kaminen am Flüsschen Ouse und natürlich zeichnet er das Minster und die Stadttore, alle sechs. Victoria Bar, Fishergate Bar, Micklegate Bar, Walmgate Bar, Monk Bar und Bootham Bar. Nur Chocolate Bars malt er nicht. Vielleicht isst er sie ja. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er immer ein oder zwei KitKat in der Hosentasche hat.
Tag heute, noch sind die Bäume kahl, der Himmel ist bedeckt und die Sonne scheint weit, weit weg im Urlaub zu sein. Andrew zeichnet nach einem Foto, das er mit einer dicken gelben Klemme oben an der Staffelei befestigt hat. Mit den gleichen gelb lackierten Metallklemmen haben die Händler ihre grün-weiß-gestreiften Plastikplanen befestigt. Das Foto wurde an einem Tag wie heute aufgenommen und zeigt die Ecke Swinegate / Little Stonegate. Alte Häuser, Bogenfenster, Balkenwerk. Trübes Licht, fahle Farben, überall, wie heute. Keine Lichtstimmung wie bei William Turner. Macht nichts, er arbeitet in Schwarz-Weiß, bleibt auch beim herrlichsten Sonnenschein Bleistift und Tusche treu. Nicht flach einfallendes Licht und lange Schatten sondern Strukturen, Kontraste, geometrische Muster sind ihm wichtig, werden von ihm heraus gearbeitet. Er verkauft The ULTIMATE York Souvenir!, eine braune Papiertüte mit 15 seiner besten Tuschelitographien. Für lächerliche zwei Pfund! Gedruckt auf 300 Gramm Papier! Auf der Rückseite der Tüte steht in großen Buchstaben: THE PRICE OF THIS PACK IS JUST 2 POUNDS. This price is NOT a reflection of the works quality, or my skill as an artist. Always remember; to a pensioner, or a child, even 2 pound can be a lot of money. Irgendwie scheint man in York das Bedürfnis zu haben, sich zu erklären.

Parliament Street hinauf und weiter über Davygate, Stonegate und Petergate, gelangt man zum Minster Yard, blickt hinauf zu dem mächtigen Felskoloss. Early-English-Style, Decorated-Style, Perpendicular-Style. Lange Bauzeit, keine Frage Jahrhunderte, fast 250 Jahre. Verschiedene Baustile und doch steingewordene Harmonie. Ungezählte Ecken und Kanten und doch unglaublich rund. Angefangen bei den verspielten Details der verwinkelten Mauern über die Figurenornamentik über den Eingängen bis hinauf zu stacheligen Spitzen auf klotzigen, 65 Meter hohen Zwillingstürmen fügt sich alles perfekt zu einem großen, überzeugenden Ganzen. Die Querschiffe im frühgotischen Early-English des 13. Jahrhunderts, Hauptschiff und Kapitelhaus im hochgotischen Decorated des 14. Jahrhunderts und der Chor im Perpendicular der Spätgotik, 14. und 15. Jahrhundert. Perpendicular, zu deutsch schlicht, und in diesem Falle tatsächlich ergreifend, senkrecht, steil, aufrecht. Und genau so steht York Minster da. Mauerwerk, Fensterbögen, Eingänge können, wurde alles auch noch so aufwändig verschnörkelt in Stein gemeißelt, den ersten Eindruck nicht revidieren. Senkrecht, steil, aufrecht und stolz steht The Cathedral and Metropolitan Church of St Peter in York zwischen St Williams College und Bootham Bar.

kann man aufschlagen, ohne von all der Superlative erschlagen zu werden: ...größter Dom nördlich der Alpen, größte mittelalterliche Kirche Nordeuropas, eins der größten gotischen Bauwerke Europas, weltweit größte mittelalterliche Buntglasfläche.
aufschlagen, ohne von all den Zahlen erschlagen zu werden: ...erster Vorgängerbau um 627 zur Zeit des heiligen Plinius ...1069 während der Belagerung durch die Normannen völlig zerstört ...nachfolgender Neubau 1137 durch Feuer zerstört ...Querschiff 1220 bis 1260 im Early-English-Style unter Erzbischof Walter de Gray ...1280 bis 1350 Hauptschiff und Kapitelhaus im Decorated-Style ...Chor und Türme 1361 bis 1472 im Perpendicular-Style ...seit dem 15. Jahrhundert nahezu unverändert ...Gesamtlänge 175 Meter ...maximale Breite 75 Meter ...65 Meter hoher und 30 Meter breiter Vierungsturm ...zwei 65 Meter hohe Westtürme mit je 8 Spitztürmchen ...26 Meter hohes und 10 Meter breites Ostfenster aus über 200 Einzelbildern.

über York Minster. Aber es steht nicht genug darin, um wirklich vorbereitet zu sein für den Moment, in dem man zum ersten Mal selbst davor steht, beispielsweise vor der Buntglasbilderflut der fünf Schwestern. An der englischen Kanalküste, zwischen Brighton und Eastbourne, befinden sich die seven sisters, sieben steil abfallende Kalksteinklippen. Hier an der Nordfassade, zwischen All Saints Chapel und St Stephen´s Chapel, finden sich die five sisters, fünf steil aufragende Spitzbogenfenster. Um 1250 fertig gestellt und fast 17 Meter hoch, sind sie mit 100.000 grau bemalten Grisaille-Glasstücken gefüllt. Und dann das Westfenster mit seinen herzförmigen Scheiben und der mit Tudorglas gefüllten Fensterrose im südlichen Querschiff.

wendet man den Blick erst gen Osten. Stimmen Sonnenstand und Witterung, projiziert die aufgehende Sonne Dutzende Motive auf Hochaltar und Thron des Erzbischofs. Auf über 250 Quadratmetern, größer als ein Tennisplatz, finden sich 117 gläserne Felder, angeordnet in jeweils neun senkrechten Reihen. Alttestamentarische Szenen, die Offenbarung, das Reich Gottes im Himmel, die sieben Tage der Schöpfung und das jüngste Gericht, sie alle wurden zwischen 1405 und 1408 von John Thornton of Coventry auf Glas gemalt und ihm, dem großen Meister seiner Zeit, mit 57 Pfund vergütet. Für die planmäßige Fertigstellung des Meisterwerks wurde ihm eine Prämie von 10 Pfund ausgezahlt. Peanuts für heutige Verhältnisse, sicher ein Vermögen in der damaligen Zeit. Vom obersten, rautenförmigen Fensterchen, von unten wirkt es wie ein kleiner, von Kinderhand bemalter Herbstdrachen, blickt Gott persönlich auf die ehrfürchtigen Besucher herab. Darunter die Worte Ego sum Alpha et Omega. Ich bin der Anfang und das Ende. Das Bedürfnis, sich zu erklären, hat in York ganz offensichtlich Tradition.