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Copyright Text & Fotografie Stefan Kälberer / August 2006

Bis ans Ende der Welt

Mit dem Fahrrad durch Neuseeland

Die Maoris nennen ihre Heimat schlicht und einfach Aotearoa: Land der langen weißen Wolke. Sie sind die Nachfahren polynesischer Auswanderer, die Neuseeland zwischen dem 8. und 14. Jahrhundert in mehreren Wellen besiedelten. Die Nachfahren der europäischen Siedler, sie selbst nennen sich Kiwis, sprechen schlicht und einfach vom schönsten Ende der Welt. Und tatsächlich bieten die beiden Inseln im Südpazifik auf kleinstem Raum alles was die Herz begehrt: vergletscherte Berge, meilenlange Sandstrände, aktive Vulkane und undurchdringliche Regenwälder. Für mich war das Grund genug, mir vier Packtaschen und ein Mountainbike zu schnappen und dort unten einmal ausgiebig auf Entdeckungstour zu gehen.

   

Baumfarn an der Bay of Plenty

Ausser Schlangen fehlt es Neuseeland an rein gar nichts - ansonsten hat das Land alles, was ein Paradies ausmacht
   

PARADIES AUF ERDEN?

Neuseeland ist der am weitesten von Deutschland entfernte Staat, gebildet von zwei großen und zahlreichen kleinen, vorgelagerten Inseln. Auf den beiden Hauptinseln leben etwa vier Millionen Menschen, drei davon auf der Nordinsel, eine auf der Südinsel. Dazwischen liegt die 23 Kilometer breite, sturmgepeitschte Cook-Strait, die der britische Seefahrer James Cook Anfang Oktober 1769 entdeckt und kartografiert hat. Vier Millionen Einwohner auf etwas über 270.000 Quadratkilometern, das macht schlappe 15 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland müssen sich diese Fläche über 230 Menschen teilen. Als weltweit erstes Land haben die Neuseeländer 1893 das Frauenwahlrecht eingeführt, satte 35 Jahre bevor die legendäre britische Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst selbiges in England durchsetzen konnte. Und Atomkraftwerke mögen sie auch nicht, die Kiwis, 75% ihres Stroms erzeugen sie mit Wasserkraft. Und 1986 sperrten sie ihre Häfen für Nuklearwaffen tragende Schiffe. 1987 erklärten sie sich dann vollständig zur nuklearfreien Zone. Und Hektik mögen sie gleich gar nicht, die Neuseeländer. Deshalb haben sie wohl auch die 40-Stunden-Woche erfunden. Das war 1936 und dementsprechend entspannt geht es auch heute noch zu. Das Miteinander ist gefragt, das Interesse für Besucher aus Übersee ist groß.

   

Schafe auf einer kargen Weide, Südinsel

Land der Kontraste - In Neuseeland finden sich sattgrüne Regenwälder ebenso wie karge Weiden
   

Der Tankwart lässt

das Tanken sein, um mir den Weg zu erklären, die nette Dame von der Post erläutert mir noch schnell die Sehenswürdigkeiten der Region, während hinter mir geduldig eine lange Schlange wartet. Und irgendwie sind sie alle Individualisten, die Kiwis, so vielfältig und facettenreich wie ihr Land, das wirklich allerhand zu bieten hat. Angefangen beim Ninety-Mile-Beach, einem einsamen, endlos erscheinenden Strand im hohen Norden, über die dampfenden Regenwälder und weiter zu den schwefligen Vulkanen im Herzen der Nordinsel. Oder von den goldgelben, südseehaften Sandstränden des Abel Tasman National Parks hinunter in die südlichen Alpen mit ihren zahlreichen, vergletscherten Dreitausendern und noch weiter in den Süden bis ganz hinunter zu den tief eingeschnittenen Fjorden der Südinsel. Wem es in Neuseeland langweilig wird, dem ist nicht mehr zu helfen.

Selbst für einen

langsam reisenden wie mich, das bergige Land setzt dem Vorwärtsdrang des Radlers naturgemäß Grenzen, hält es fast hinter jeder Kurve eine neue Überraschung bereit. Annähernd neun von zehn einheimischen Pflanzen gedeihen nur hier. Und die größten und ältesten Pflanzen sowieso. Baumfarne, neben Bärlapp und Schachtelhalm die ältesten Pflanzen auf unserem Planeten, existieren bereits seit dem Devon, also seit rund 400 Millionen Jahren. In Neuseeland haben sie bis heute überlebt und werden bis zu zehn Meter hoch. Noch im Karbon erreichten sie spielend eine Höhe von 30 Metern. Da können die Kauris nur lachen. Noch heute erreichen die Kaurifichten Höhen von über 50 Metern. Das größte noch lebende Exemplar hört auf den Namen Tane Mahuta, Herr des Waldes, und ist bei einem Umfang von fast 14 Metern stolze 51,5 Meter hoch. Über zweitausend Jahre können diese Giganten des Waldes alt werden. Vielleicht wird das nächste Paradies, sollte es jemals wieder ausgerufen werden, ja in Neuseeland eingerichtet.

   

Zeltplatz an einem See auf der Nordinsel

Wer keine Angel mit nimmt ist selbst schuld und wem es in Neuseeland langweilig wird sowieso
   

KIWI COUNTRY

Seit über einer Stunde liege ich schon faul auf dem Rasen des Motor Camps in der Sonne und bin immer noch viel zu träge, mein Zelt aufzuschlagen. Irgendwann raffe ich mich dann doch noch auf, krame alles aus den Packtaschen und verstaue wenig später meine Habseligkeiten in meinem kleinen, grünen Zelt. Im Supermarkt gegenüber hole ich mir noch schnell eine Flasche Milch, die gute Silver Top mit dem fetten Rahm oben drauf, und etwas Brot dazu. Wieder gibt es nur das weiche, pampige Weißbrot, das die Kiwi, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, Briefträgerbrot nennen. Briefträgerbrot deshalb, weil man es so schön zusammen drücken, unter der Tür durchschieben und dann zusehen kann, wie es auf der anderen Seite wieder schön aufgeht. Ein paar Vollkornbrote, eine Rarität im Neuseeland der späten achtziger Jahre, führt der Supermarkt zwar auch, aber aufgeklebte Namensschilder signalisieren mir schon von weitem: Finger weg, reserviert! Ein echter Notstand!!

   

Seehunde auf der Kaikoura Halbinsel, Südinsel

Unter einem weiten, blauen Himmel lässt es sich entspannt dösen - Seehunde auf der Kaikoura Halbinsel
   

Bevor ich mich aber

richtig ärgern kann, bin ich bereits wieder über der Straße und an meinem Zelt angelangt. Davor steht Matthew, etwa Mitte 60 und mit Augen, so stechend klar wie der neuseeländische Sommerhimmel über unseren Köpfen. Er versichert mir seine Hochachtung: „Mit dem Fahrrad...“, meint er, „und die vielen Berge hier! Und dann auch noch allein...“. Vor lauter Bewunderung, vielleicht ist es ja auch Mitleid, lädt er mich zum Abendessen in seinen winzigen Wohnwagen ein. So bleibt das Briefträgerbrot heute noch einmal verschont. Am nächsten Morgen nimmt mich Matthew in seinem alten, von Spinnennetzen durchwobenen Morris Minor-Kombi mit hinaus zur Kaikoura Halbinsel. Wir beobachten Seemöwen und Seehunde, wie sie, von Matthew´s Hündin Susy ins Meer gejagt, voll Anmut in dem kristallklaren Wasser zwischen Seegras und scharfkantigen Felsen schwimmen. Als dann das letzte Stück Weißbrot an die ewig hungrigen Möwen verfüttert ist, bringt mich Matthew zurück zum Campground, wo ich meine Packtaschen wieder ans Rad hänge und mich von ihm verabschiede.

   

Regenbogen im Urewera National Park, Nordinsel

Die nächste Stadt meilenweit entfernt, dafür dem Regenbogen umso näher - Tagtraum im Urewera National Park
   

RAINBOW DAY

Kein gewöhnlicher Tag, kein Tag wie jeder andere, ein Tag unterwegs in Neuseeland, unterwegs mit dem Mountainbike. Es ist einer dieser seltenen Tage, die nie zu Ende gehen dürften. Am frühen Morgen ein angenehm kühler Wind aus östlicher Richtung, vom Pazifik her. Er schärft meine ohnehin schon wachen Sinne noch weiter. Über all dem eine Sonne, die fürs erste über die düster bleigrauen Wolkenungetüme gesiegt hat, und sich anschickt, den Schlamm von heute in den Staub von morgen zu verwandeln. Und über der Naturpiste ein Regenbogen, so groß, dass man ihm zutraut, die ganze Welt zu umspannen. Wieder so ein Tag, an dem die Träume von Gestern in der Realität des Heute Gestalt annehmen. Träume vom scheinbar mühelosen Gleiten durch scheinbar unberührten Busch. Ungezählte Stunden im Takt der sich unentwegt auf und ab bewegenden Pedale. Und das alles ungestört von der Hektik des Alltags. Denn Autoverkehr ist hier, auf dieser 170 Kilometer langen Naturpiste, im Urewera National Park eher die Ausnahme denn die Regel. Der National Park, mit seinen 2.127 Quadratkilometern im äußersten Osten der Nordinsel gelegen, wurde 1954 ins Leben gerufen.

   

Mit dem Rucksack im Urewera National Park

Willkommene Alternative zum Zelt: eine der zahlreichen Wanderhütten am Lake Waikaremoana
   

Am Leben erhalten

wurde dadurch der größte, in Neuseeland verbliebene Urwald. Und der ist so einzigartig wie die Namen der darin wachsenden Bäume: Kohekohe, Rata, Tawa, Rimu und Pukatea, to name just a few. Was ist es bloß, dieses Reisen mit dem Rad, mit dem Wind, mit dem Regen und der Sonne mal vor, mal über und mal hinter dir? Ist es wirklich nüchterne Realität oder doch eher raffinierte Illusion? Schwer zu unterscheiden, all das, wenn man über solch endlos erscheinende Straßen durch solch unwegsame Wälder rollt, den Wind in der Nase und die Träume hinter der Stirn! Wie berauscht schwebe ich über die Straße, mag nicht glauben, dass ich mich doch mit beiden Füßen fest in die Pedale tretend, mühsam auf ihr fortbewege. Schließlich schweben Sonne und Wolken ebenso mühelos über den weiten Horizont. Sie jagen und sie necken sich, und sie verstecken sich voreinander. Warum also sollte auch nicht ich mitspielen dürfen? Einfach die Zeit vergessen dürfen? Einfach nur mitschweben, auch wenn es vielleicht doch nur eine Illusion sein sollte ...

   

Housetruck an der Westküste der Südinsel

So viel Luxus muss sein - der Housetruck von Susan und Dale am Strand bei Westport
   

FREIHEIT

Was wäre Neuseeland ohne die Housetrucker? Ohne all die Freaks in ihren abenteuerlich ausgebauten Uralt-Lastwagen und den individuell möblierten Ex-Omnibussen? Ihre mobilen Häuser bieten vom behaglichen Holzofen über den Wintergarten bis zur Zwei-Quadratmeter-Veranda alles, was man sich von einem Eigenheim erwartet. Ihre Bewohner ziehen in Schneckenmanier jahrein, jahraus durch Neuseeland. Ihr Ziel ist der Weg und nur zur Apfel- oder Kiwiernte treffen sie sich in größerer Zahl an einem Ort. Bei der Obsternte werden Pflücker gebraucht. Für die Housetrucker eine willkommene Gelegenheit, die Finanzen etwas aufzubessern. Mein Zelt habe ich heute bereits kurz nach Mittag aufgeschlagen. An einem Plätzchen, nur wenig mehr als zwei Meter vom Strand, zu schön, um einfach dran vorbei, um einfach weiter zu fahren. Also bin ich geblieben, 40 Kilometer müssen für heute genug sein. Ein idyllischer Platz. Das haben sich Susan und Dale wohl auch gedacht. Ihr Housetruck steht immer ein paar Monate des Jahres hier, nicht weit vom Strand, nicht weit von Westport.

   

Palmen und Wanderdünen

Mächtige Palmen, prächtiger Sonnenschein und kein Ort weiter als 120 Kilometer vom Meer entfernt
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Westküste natürlich,

versteht sich, mit Garantie für grandiose Sonnenuntergänge. Seit vier Jahren lebt Dale, der gelernte Zimmermann, in seinem Housetruck. Den Aufbau hat er aus den Verpackungskisten japanischer Importautos selbst zsammen genagelt.Und seit zwei Jahren lebt Susan bei ihm. Sie mochte es, wie viele andere Neuseeländer auch, noch nie so recht, immer nur an einem Fleck zu kleben. Mochte sich nicht festlegen, nicht jeden Tag die selben Leute sehen, dieselbe Aussicht am Frühstückstisch zu haben. Ich sitze bei den beiden im Wohnzimmer. Susan brät die Forellen, die ich am Bach gleich hinter dem Strand gefangen habe und ich muss zugeben, ich beneide die zwei. Um die Töpfe mit den Kräutern rund ums Zuhause, die würzige Seeluft im Wohnzimmer, die behagliche Atmosphäre. Die beiden haben haben eine uralten Widerspruch perfekt aufgelöst: Susan und Dale sind mobil und dennoch immer daheim.

   

Cowboy mit Kühen vor dem Mt. Cook

Mount Cook mit Cowboy - und weit und breit kein Marlboro-Fotograf zu sehen...
   

ÜBER DEN WOLKEN

Es war ein Fiat-Maschine. Und es war das erste und einzige Kampfflugzeug, das ich während meiner sechsmonatigen Reise gesehen und gehört habe. Es war im Arthurs Pass National Park, mitten in den südlichen neuseeländischen Alpen mit ihren über 360 Gletschern. Keine 50 Kilometer Luftlinie entfernt vom höchsten Berg Neuseelands, dem 3.754 Meter hohen Mount Cook. Und nicht einmal halb so weit entfernt vom Pazifik. Steil und wie eine natürliche Mauer ragen die 18 Dreitausender und zahlreichen niedrigeren Gipfel aus dem Ozean. Einige von ihnen sind keine zwanzig Kilometer vom Meer entfernt, dafür aber über 2.000 Kilometer vom nächsten Nachbarn, von Australien. Drei Tage saß ich schon auf diesem unbedeutenden Zweitausender, genoß die warmen, sonnigen Tage und die sternenklaren, frostigen Nächte. Drei Tage, in denen ich mich so unsagbar fern vom Weltgeschehen fühlte und gleichzeitig der Erde so nah. Bis auf einen kleinen Vogel, der wie ein alter Bekannter jeden Abend kurz bei mir vorbei schaute, war ich allein. Keine anderen Menschen, kein Lärm, keine Ablenkung. Genug Zeit um einmal den einen oder anderen verworrenen Gedanken neu zu sortieren.

   

Zeltplatz in den südlichen Alpen

Die besten Zeltplätze sind steinig, einsam und verfügen über keine Sanitäranlagen - auf 2.000 Meter Höhe im Arthurs Pass National Park
   

Da war nur ich

und dieser namenlose Berg. Und besagtes Kampfflugzeug. Es war ein Fingerzeig für mich. Eine Erinnerung daran, dass irgendwo, wenn auch weit hinter diesem prächtigen Alpenpanorama gelegen, tatsächlich noch eine andere Welt existierte, dass diese friedvollen Tage voll innerer Ruhe vielleicht nur ein kurzer, wenn auch wahrgewordener Traum sein würden. Vor drei Tagen hatte ich meinen Rucksack geschultert, mein Bike bei den freundlichen Rangern unten am Pass abgestellt und war auf diesen einsamen Berg gestiegen, fern aller ausgeschilderten Wanderwege.

Eigentlich wollte ich mehrere Tage hier oben wandern, jeden Tag weiter ziehen, so wie man eben glaubt, es machen zu müssen, weil man glaubt, nur so möglichst viel sehen und erleben zu können. Aber dann bin ich nur hinauf gestiegen und bin einfach hocken geblieben. Habe mir Schnee für die Suppe und den Tee geschmolzen, Hesse gelesen und auch den einen oder anderen eigenen Gedanken ein klein wenig weiter entwickelt. Mit den ersten Sonnenstrahlen war ich wach, fand die Täler gefüllt mit weißen, bauschigen Wolken, die umliegenden Berge wie Inseln im Meer. Nach vier Tagen gingen meine Vorräte zur Neige. Sonst wäre ich sicher dort oben geblieben ...

   

Alter Pickup-Truck an der Westküste

Reminiszenz an alte Tage. Die Neuseeländer pflegen begeistert alles Alte und geben ihm Raum in ihrem Alltag
   

NACHT IN INANGAHUA

Wieder einmal hat mich der Regen eingeholt. Tropfnass sitze ich vor dem kleinen Groceries Shop von Inangahua Junction. Das kleine Vordach schützt mich notdürftig vor dem Regen und ein über die Beine gelegtes Handtuch einigermaßen vor dem Frösteln. Es ist fast schon dunkel und ich habe wieder einmal keinen Schimmer, wo ich die Nacht verbringen werde. Just in diesem Moment schickt mir die Vorsehung Norman vorbei. Er wird nächstes Jahr 70 und kommt gerade vom Joggen, zusammen mit seinen beiden zotteligen Hunden. Wie schon des öfteren erwähnt, sind ie Neuseeländer irgendwie anders gestrickt, dynamischer veranlagt und mit weniger Skepsis geschlagen, als wir Deutschen es gewohnt sind. Kaum sieht Norman mich da so verloren sitzen, lädt er mich auch schon ein, die Nacht bei ihm zu verbringen.

   

Traditionelle Schnitzerei der Maori

Die Maoris besinnen sich zunehmend auf ihre traditionellen Werte und wenden sich wieder alten Handwerkskünsten zu
   

Wenig später sitze ich

bereits, eine Katze auf dem Schoß und die beiden noch nassen Hunde zu meinen Füßen, mit einer heißen Tasse Tee in der Hand in Normans altem, löchrigen, unglaublich bequemen Sessel und schaue hinaus in den prasselnden Regen. Der hat plötzlich seinen Schrecken verloren und genauso plötzlich frage ich mich, ob auch ich zuhause einen durchgeschwitzten Fremden spontan und ohne zu zögern mit in mein Haus geholt und in meinen Lieblingssessel gesetzt hätte? Seit über 40 Jahren lebt Norman, Nachfahre südenglischer Siedler aus der Gegend um Salisbury, hier in dem kleinen 200-Seelen-Dorf Inangahua Junction. Er erzählt mir, dass hier jeder jeden kennt und niemand sein Haus abschließt, da die Reichtümer üblicherweise ohnehin nur aus löchrigen Sesseln, zutraulichen Hunden und schnurrenden Katzen bestünden. Er selbst, berichtet er mit einem breiten Grinsen im Gesicht, habe den Schlüssel zu seinem Haus schon vor über zwanzig Jahren verloren und nicht einmal daran gedacht, wieder einen nachmachen zu lassen.

   

Aussteiger vor seinem Pferdewagen

Alex hat seinen Bürodrehstuhl in Downtown Auckland mit dem Kutschbock vertauscht und es noch keinen Tag bereut
   

LIFT IM PFERDEWAGEN

Seit Stunden stehe ich jetzt schon hier unter einer sengenden Sonne und warte auf eine Mitfahrgelegenheit. Ich möchte zum Wandern - die Neuseeländer nennen diesen, ihren Volkssport Tramping - in den Tongariro National Park und habe mein Rad auf einem kleinen Campingplatz abgestellt. Eine Rundwanderung soll es werden, einmal rund um den höchsten Berg der Nordinsel, den 2.797 Meter hohen und noch aktiven Vulkan Ruapehu. Stunde um Stunde warte ich schon. Nicht, dass die Neuseeländer einen Wanderer, einen Hitchhiker, nicht mitnehmen würden. Aber seit ich hier abgesetzt wurde, ist nicht ein einziges Auto mehr vorbeigekommen. Jetzt aber zeichnet sich plötzlich etwas ab, ganz hinten, dort wo die staubige Straße mit dem Horizont verschmilzt. Aber was ist es? So sieht kein Auto aus und es bewegt sich langsam, langsamer noch als die alten, herunter gewirtschafteten Kisten der Neuseeländer. Wenig später erkenne ich drei Pferde und dahinter einen großen Planwagen und noch etwas später höre ich eine sonore Stimme Bbbrrrrrrrr sagen.

   

Smaragdgrüner Bergsee im Tongariro National Park, Nordinsel

Selbst in Neuseeland scheint nicht immer die Sonne, aber die Emerald Lakes im Tongariro National Park leuchten selbst noch im dicksten Nebel
   

Alex wird dem Klischee

vom Aussteiger auf perfekte Art und Weise gerecht. Seinen sicheren Arbeitsplatz in Downtown Auckland hat er mit der Holzbank seines Pferdewagens vertauscht. Hier sitzt er nun, während wir gemütlich am Rande des Tongariro National Parks vorbeiziehen und lenkt schweigend, aber sichtlich zufrieden mit sich und seiner neu gewählten Welt seine drei Pferde. Gelegentlich stoppen wir, um wilde Apfelbäume abzuernten und die harzigen Zapfen einer umgestürzten Kiefer für den Kochherd zu sammeln. Diese Art des Reisens beeindruckt mich, ebenso wie das innige Verhältnis, das Alex zu seinen Pferden hat. Sie verstehen sich ohne viele Worte. Während Alex für uns hinten einen Tee kocht, darf ich eine Weile das Gespann lenken. Es braucht mehr Aufmerksamkeit als ich dachte, und so fährt er auch täglich selten mehr als 30 bis 35 Kilometer. Als ich ein paar Stunden später meinen Rucksack vom Wagen wuchte und mich für die Mitfahrgelegenheit bedanke, habe ich mein Ziel zwar nur langsam erreicht, dafür aber umso mehr gesehen.

   

Okay, Okay, diese Farben trägt man heute nicht mehr, aber dafür waren die Socken herrlich warm

   


   

alle Aufnahmen:       ...kurz belichtet mit einer Minox 35 mit 2.8/35 auf Fujichrome 100
   

COPYRIGHT 2006 Text & Fotografie STEFAN KÄLBERER

   

   

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   sehr informative Neuseelandseite des deutschen Auswärtigen Amts
   Beitrag der deutschen Wikipedia  

 

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