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Copyright Text & Fotografie Stefan Kälberer / August 2008

Dartmoor Daytrip

Radtour im Dartmoor Nationalpark

Eine erste Ahnung vom nahenden Herbst liegt in der klaren Morgenluft. Dabei ist es erst Anfang August und die aufsteigende Sonne verspricht einen warmen Sommertag. Noch aber ist die Morgenluft kühl und zaubert eine Gänsehaut auf meine Beine. Tautropfen hängen, zäh wie kalter Honig, in den wild wuchernden Büschen und Bäumen. Ich bin unterwegs auf der A382, einer kleinen Landstraße von Moretonhampstead hinüber nach Bovey Tracey. Wie ein grüner Tunnel führt sie durch die in warmes Morgenlicht getauchte Weidelandschaft am Rand des Dartmoor Nationalparks.

   

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 10.5mm       ...kurz belichtet @ 1/80 sec und f5.5
Rote Klassiker. Dartmoor Nationalpark, Devon, England
   

Ein Fest in grün

ist das. Dicht bewachsene Wälle aus Millionen von Feldsteinen säumen die schmale Straße hinüber nach Bovey Tracey. Disteln, Weideröschen und Brombeerranken wurzeln begeistert zwischen üppig bemoosten Steinen. Der Duft von Adlerfarn mischt sich mit dem von frischem Heu. Geduldig und in sauberen Reihen wartet es hinter den Steinwällen darauf, gepresst zu werden. Und über allem liegt die herrlich kühle Morgenluft. Etwas weiter stehen Baldrian, Beinwell und Fingerhut, versteckt zwischen hüfthohen Gräsern. Dann wieder doppelt mannshohe Buchenhecken. Tunnel oder Straße, das ist hier die Frage.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 5.1mm       ...kurz belichtet @ 1/90 sec und f5.7
Alles im grünen Bereich. Landstraße am Rande des Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Das kleine Landsträßchen

hört auf den Namen A382 und ist schmal, sehr schmal. Zersplitterte Aussenspiegel in jeder dritten Kurve dokumentieren den Schrecken der Motoristen, und die zahlreichen Single Track Roads, einspurige Streckenabschnitte, treiben auch meinen Puls höher. Ab und zu öffnet sich die grüne Mauer, gibt den Blick frei auf noch mehr Grüntöne, auf grasende Kühe, zufrieden blökende Schafe und weiß gekalkte Steinhäuser. Moorewood Cottage lockt mit reetgedecktem Dach und Cream Tea Touristen. Der nahe gelegene Dartmoor Nationalpark, mein Ziel, sorgt hier für gute Buchungszahlen.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 10.5mm       ...kurz belichtet @ 1/250 sec und f5.5
Pot of Tea war gestern, heute trinkt man auch in England Cappuccino. Bovey Tracey, Devon, England

 

Am siebten Tage

sollt Ihr ruhn, so verkündete es der Herr schon vor Urzeiten. Nun, ein paar tausend Jahre später, verkünden es auch die Herren in Brüssel. Nur noch maximal sechs Tage statt deren zwölf, dürfen Fahrer von Reisebussen seit April 2007 am Lenkrad drehn, dann sollen sie einen Tag ruhn. Keine dumme Idee. Ich bin als Fahrer des Reisebusses mit einer Wandergruppe für 12 Tage unterwegs im Süden Englands und heute ist mein Ruhetag, mein freier Tag. Und nichts hat mich mehr im Hotel in Moretonhampstead gehalten. Faltrad auspacken und ausklappen war eins, der nur wenige Meilen entfernte Dartmoor Nationalpark lockt mit Macht.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 5.1mm       ...kurz belichtet @ 1/500 sec und f7.2
Rund 220 Regentage jährlich und weit und breit keine Wolke in Sicht. Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

In Bovey Tracey

lege ich einen ersten Stopp ein, sitze vor dem Brookside Café in der Sonne und genieße einen Cappuccino mit Scones und salziger Butter. Wie spät es ist will ich gar nicht wissen, die Uhr habe ich im Hotel gelassen. Gesprächsfetzen fliegen, munter wie die Spatzen, die unter meinen Füßen Krümel picken, zwischen zwei Senioren über die Straße: „Come over George“. „Ooh, my old dear is here...“. Bovey Tracey, von den Einheimischen kurz und liebevoll Buvvy genannt, scheint ein gemütliches Städtchen zu sein. Viel spannendes gab und gibt es hier nicht zu berichten und so nennt sich Bovey Tracey, letzte Verzweiflungstat aller mit Unbedeutsamkeit geschlagenen Siedlungen der Neuzeit, Tor zu irgendwas, in diesem Fall: Gateway to the Dartmoor.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 5.1mm       ...kurz belichtet @ 1/500 sec und f6.5
Wahrzeichen des Dartmoor: Die Tors, die nackten Granithügel. Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Wenig später schon

liegt Bovey Tracey hinter mir. Vor mir liegt ein Anstieg, mit dem ich so nicht gerechnet habe. Die sieben Gänge, die mein Birdy zu bieten hat, und zwischen denen ich bereits auf den acht Meilen zwischen Moretonhampstead und Bovey Tracey munter hin und her geschaltet habe, reichen hier nicht mehr aus. Und längst sind kühle Morgenluft und Gänsehaut vergessen, fließt der Schweiß in Strömen. Alte Buchen säumen den steilen Hohlweg, die Zufahrt zum Nationalpark. Es sind mächtige, stolze Charaktere. Ihre knorrigen Füße wurzeln, wie sollte es anders sein, auf steinernen Wällen. Ab und an verschwindet ein längst überflüssig gewordener Stacheldraht im moosigen Stamm, um einen Meter weiter wieder auszutreten. Keine Frage, diese Bäume gibt´s schon lange und wird´s hoffentlich noch lange geben.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 5.1mm       ...kurz belichtet @ 1/30 sec und f5.7
Kein Schreibfehler, sondern britischer Humor: TAKE MOOR CARE. Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Noch etwas später

taucht das offizielle Schild des National Parks auf und dahinter das obligatorische Cattle Grid, eine Grube mit querliegenden, verschweißten Eisenbahnschienen, in deren Zwischenräume die winzigen 18“-Räder meines Faltrads fast stecken bleiben. So ist sichergestellt, dass Paarhufer drin und Radler mit allzu kleinen Laufrädern draussen bleiben. Ein dottergelber, mächtig Dieselruß ausstoßender Ford Transit überholt mich. Kaum hat sich der Ruß gesetzt, schnaubt und prustet ein zweiter dottergelber Stinker bergan. Dann, noch vor Erreichen der Anhöhe, weitet sich die Landschaft jäh, der Blick wird frei, Adlerfarn und Stechginster übernehmen die Regie.

 

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Canon 20D bei ISO 100 mit Tamron SP 3.5-5.6/24-135       ...kurz belichtet @ 1/320 sec und f8
Nebel, Regen, windgepeitschter Stechginster? Fehlanzeige! Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Vor mir sind jetzt

nackte Granitfelsen, die Haytor Rocks, zu sehen. Bevor ich sie besteige, lege ich mich aber erst einmal in die Sonne und lasse mir den Schweiß trocknen. Eine sanfte Brise bläst mir den fruchtigen Duft von Adlerfarn in die Nase. Herrlich, wie gut so ein Sommertag riechen kann. Wieder trocken, nur die zurück gebliebene Salzkruste juckt noch etwas unterm Trikot, kette ich mein Faltrad hinterm Info-Container der Nationalpark-Verwaltung fest und mache mich auf den Weg hinauf zu den Haytor Rocks.

Diese nackten, blank geschliffenen Granithügel sind charakteristisch für den Dartmoor-National Park. Ebenfalls etwas besonderes ist die Tatsache, dass man sich hier frei bewegen darf und sich nicht an Wege halten muss. Und das, obwohl der Dartmoor N.P. größtenteils in Privatbesitz ist – weite Teile gehören dem Herzog von Cornwall und keinem geringeren als Prince Charles. Die Gefahr hier im Moor zu versinken ist dabei nicht allzu groß. Denn im Englischen steht der Begriff Moor eher für Heide und weniger für Sumpflandschaften. Bei sumpfigen, morastigen Mooren sprechen die Briten von Bog.

 

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Canon 20D bei ISO 200 mit Tamron SP 3.5-5.6/24-135       ...kurz belichtet @ 1/400 sec und f8
Nein, nicht die Route 66 - die B3367, Ansicht 01. Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Von oben, der Blick

wandert ungehemmt in alle Himmelsrichtungen, wird mir auch die Mission der beiden dottergelben Dieselstinker klar. Sie haben zwischenzeitlich auf zwei strategisch günstig gelegenen Parkplätzen Stellung bezogen und begonnen süsses Softeis in noch süssere Waffeltüten zu füllen. Molly Macs Real Devon Ice Cream prangt in grossen roten Lettern auf den beiden Vans. Die Nachfrage ist enorm, die Schlange der Wartenden scheint bis hinunter nach Bovey Tracey zu reichen. Für mich wird es Zeit, wieder aufzubrechen. Kaum habe ich die Menschenmassen hinter mir gelassen, erinnert mich die Landschaft hier oben an den Norden Kanadas. Vorbei an den Felsformationen Saddle Tors und Seven Lords´ Lands radle ich völlig entspannt, da nahezu eben, auf der B3387 Richtung Bonehill. Bei einer Gruppe Dartmoor-Ponies bleibe ich lange stehen und fülle begeistert die Speicherkarte meiner Kamera. Die kleinen, robusten Pferde kennen keine Scheu und das, obwohl sie das ganze Jahr frei, fast möchte man sagen wild, im National Park leben und nur einmal jährlich zusammen getrieben, gezählt und teilweise verkauft werden.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 6mm       ...kurz belichtet @ 1/1.000 sec und f6
Traumstraße No. B3367, Ansicht 02. Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Bei Postbridge,

ich bin schon wieder auf dem Rückweg, wird´s noch einmal wildromantisch. Direkt neben der Straße verläuft ein alter Pfad und der überquert auf einer Clapperbridge einen gemütlich dahin plätschernden Bach. Diese Brücken sind oft mehrere hundert Jahre alt und bestehen aus dünnen Granitplatten, die über in Bäche und Flüsse gelegte Felsbrocken oder kleine, trocken gemauerte Stützpfeiler verlegt wurden. Aber auch die neue, gleich daneben den Bach überspannende Brücke ist eine Augenweide. Sauber aus Natursteinen gemauert, fügt auch sie sich perfekt in die Landschaft ein. Die perfekte Kulisse für Sir Arthur Conan Doyles Geschichte „The Hound of the Baskervilles“. Nur fehlt heute der eisig kalte Dartmoornebel, der Doyle wohl zu dieser gruseligen Erzählung inspirierte. Und ich muss zugeben, dass mir die Sonne deutlich lieber ist.

 

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Ricoh Caplio GX100 mit 2.5-4.4/5.1-15.3 bei ISO 100 und 5.1mm       ...kurz belichtet @ 1/320 sec und f5.7
Traditionelle Clapperbridge aus Granitplatten, vorn die neue Straßenbrücke. Postbridge, Dartmoor Nationalpark, Devon, England

 

Zurück in Moretonhampstead

falte ich mein Birdy wieder auf Koffergröße und verstaue es im Kofferraum des Reisebusses. Morgen geht´s weiter nach Cornwall, nach Newquay und Land´s End. Schade dass dann kein freier Tag mehr auf mich wartet, könnte mich glatt dran gewöhnen ...

 

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Canon 20D bei ISO 200 mit Tamron SP 3.5-5.6/24-135       ...kurz belichtet @ 1/640 sec und f8
Rush Hour in Moretonhampstead. Devon, England

 

   


   

COPYRIGHT 2008 Text & Fotografie STEFAN KÄLBERER

 

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virtually dartmoore - interaktive Seite des Dartmoor National Parks

offizielle Website von Moretonhampstead

offizielle Website von Bovey Tracey

   

  

 
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