mein Motiv zeigte sich kooperativ. Nach einigen wenig überzeugenden Versuchen, sich unter den Buchenblättern zu verstecken, entdeckte meine deutlich über 10 Millimeter große Spinne ein kleines Stöckchen und kletterte flink daran empor. Als ich mich vorsichtig mit dem Makroobjektiv näherte, versuchte sie, sich an der Rückseite des Stöckchens zu verstecken. Bereits nach wenigen Minuten aber wurde ihr dieses Spiel selbst zu dumm und sie ließ sich bereitwillig und von allen Seiten fotografieren. Viel Licht gab es nicht, hier am Waldboden, aber mit ISO 1600 ist das selbst ohne Stativ kein Problem. Zu Zeiten der analogen Fotografie wäre es unmöglich gewesen, bei solchen Lichtverhältnissen ohne Stativ zu arbeiten. Und auch das wäre nur bei absoluter Windstille möglich gewesen.
haben mich schon immer wie magisch angezogen und der Winzling strahlte einfach unbeschreiblich im Gegenlicht! Als ich Micromata virescens von allen Seiten abgelichtet hatte, nahm ich einen kleinen Zweig, auf das sie sofort bereitwillig kletterte und setzte sie für weitere Fotos auf ein Brombeerblatt. So einfach kann Makrofotografie sein - unglaublich! Diese Spinne liess sich durch nichts aus der Ruhe bringen und so vergass ich völlig die Zeit. Selbst die nassen Knie, der Waldboden war noch kühl und feucht, bemerkte ich erst auf dem Heimweg. Der Blick durch den Sucher, durch das Makroobjektiv, ist immer ein Blick in eine fremde, fesselnde Welt. Plötzlich zeigen sich nie gesehene Details klar und deutlich: acht winzige Augen, neongrüne Beine, schwarze und weisse Haare!

steckte ich erst die nasse Hose in die Waschmaschine und dann meine neugierige Nase in ein Bestimmungsbuch. Wusste ich zu dem Zeitpunkt doch noch nicht, was für eine Spinne ich da abgelichtet hatte. Zu meiner Überraschung fand sich in meinem Insektenführer aber nicht eine einzige Spinne. Was ich zu dem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht wusste, ist die Tatsache, dass Spinnen schlicht und ergreifend keine Insekten sind. Peinlich, peinlich! Wenig später wusste ich mehr: Spinnen unterscheiden sich von Insekten durch mehrere Merkmale. Sie haben acht Beine statt deren sechs, sie besitzen keine Fühler und ihr Körper ist zwei- und nicht dreigeteilt, wie der der Insekten. Ausserdem besitzen Spinnen nicht die komplexen Facettenaugen der Insekten, sondern sehr viel einfachere Punktaugen. Davon aber haben sie deren acht und die können, je nach Art und Gattung, unterschiedlich angeordnet sein.

sind so positioniert, dass sich ein weites Gesichtsfeld ergibt. Die beiden Hauptaugen, die vorn in der Mitte liegen und von Fachleuten kurz und bündig als VMA (vordere Mittelaugen) bezeichnet werden, sind durch Muskeln seitlich verschiebbar. Daneben und dahinter besitzen die Spinnen noch drei Paar Nebenaugen. Eine Scharfstellung auf unterschiedlich weit entfernte Objekte ist den Spinnen aber nicht möglich. Sie sind mit einem Fix-Focus-Objektiv ausgestattet. Der Hauptaugenmerk dürfte auf dem zuverlässigen Erkennen von Bewegungen liegen. Die Ocellen der Spinnentiere (Ocellus = lateinisch für Äuglein) besitzen einen Glaskörper, sind also besonders leistungsfähige Punktaugen.

wie die Insekten, Tausendfüßer, Krebse, Skorpione und Milben, zu den Arthropoden oder Gliederfüßern. Diese gehören, mit annähernd 80% aller derzeit lebenden Tierarten, zu den erfolgreichsten Lebewesen unseres Planeten. Da verwundert es nicht, dass Spinnen andere Arthropoden zum Fressen gern haben. Schließlich sind sie Raubtiere und ernähren sich fast ausschließlich von anderen Gliederfüßern, überwiegend von Insekten. Dabei bilden die Fangnetze bauenden Webspinnen mit nahezu 39.000 bislang beschriebenen Arten, untergliedert in 110 Familien, die artenreichste Unterordnung der Spinnen. Darunter finden sich übrigens keine zwölf Arten, deren Gift dem Menschen wirklich lebensgefährlich werden könnte. Spinnen können zwischen 0,5 und 90 Millimeter gross werden und nahezu jeden Lebensraum besiedeln, nur in der Arktis und in Höhen über 5.000 Metern wird es ihnen zu ungemütlich.

ist eine Echte Webspinne aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen. Sie ist aber harmlos, da völlig ungiftig. Micromata virescens wurde bereits 1757 von dem schwedischen Forscher Carl Alexander Clerck (1709 - 1765) entdeckt und benannt: damals taufte er sie auf den Namen Araneus virescens. Er kam mir also um genau 250 Jahre zuvor. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Clerck studierte an der Universität von Uppsala, musste diese aber frühzeitig verlassen, um seinen Lebensunterhalt als Angestellter der Stockholmer Stadtverwaltung zu verdienen. Die Natur aber blieb seine große Leidenschaft. Der engagierte Forscher sammelte und kategorisierte zahlreiche Spinnen und studierte deren Verhalten. Seine Beobachtungen veröffentlichte er 1757 in dem Werk svenska spindlar (die Spinnen Schwedens), das bald als äusserst fundiertes Standardwerk anerkannt war.

jagen netzlos und zählen zweifellos zu den schönsten Arten in Europa. 2004 war die Grüne Huschspinne Spinne des Jahres. Nur bei den Weibchen ist, neben dem Vorderkörper, auch der Hinterkörper leuchtend grün gefärbt. Die Männchen tragen nach der ersten Reifehäutung oben auf dem Hinterkörper einen weithin sichtbaren leuchtend roten Streifen, der beidseits gelb eingefasst ist. Mit 8 bis 10 Millimetern sind die Männchen zudem deutlich kleiner als die Weibchen, die bis zu 15 Millimeter Körperlänge erreichen können. Die Grüne Huschspinne ist in Mitteleuropa weit verbreitet, ist tagaktiv und liebt warme, lichte Laubwälder. Aber auch hier im Nordschwarzwald fühlt sie sich wohl. Man findet sie vorzugsweise an sonnigen Waldrändern. Wenn man sie mit nur zwei Augen überhaupt entdeckt ...

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