
Reiseberichte zu schreiben? Eine Frage, auf die es sicher so viele Antworten gibt wie schreibende Reisende. Ich könnte jetzt von einem tiefen, ja schicksalhaften Bedürfnis sprechen, anderen die Schönheit unseres Planeten vor Augen zu führen. Was alles andere als falsch wäre. In meinem Fall aber ist die Frage schneller, einfacher und vor allem weniger pathetisch zu beantworten: ich verfasste meinen ersten Reisebericht weil ich es versprochen hatte! Damals war ich gerade von meiner ersten langen Reise heimgekehrt und erinnerte mich an besagtes Versprechen. Das hatte ich einem kleinen Fahrradhersteller gegeben, der mir ein Mountainbike der Spitzenklasse für meine Radreise durch Neuseeland zur Verfügung gestellt hatte. So kam es, dass ich meinen ersten Reisebericht schreiben durfte. Der wurde ein paar Monate später auch tatsächlich gedruckt: im Radmagazin tour.

Damit war der Anfang gemacht und die Angst vorm weissen Blatt schnell überwunden. So entwickelte sich das Schreiben, neben der Fotografie, über die Jahre zu einem wichtigen Standbein. Zahlreiche Sachbücher folgten und die Übersetzung des Bestsellers von Fred Milson "Das Fahrrad - Reparatur und Wartung".

Ein Porträt. Erschienen in den Kieler Nachrichten:
Kann man durch die Welt reisen und vom Fernweh der anderem leben? Stefan Kälberer tut es. Kurz vor der Verbeamtung bei der Post warf der gelernte Fernmeldetechniker aus dem Schwarzwald das Handtuch. "Eine Entscheidung aus dem Bauch", sagt der heute 31jährige, "ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß das alles gewesen sein sollte." Drei Jahre ist er nun unterwegs. Den Lebensunterhalt für sich und seine Reisegefährten - Freundin und Hund - erbringt die Fotoausbeute: Knapp 600 kamen am Montagabend zu seinem Diavortrag über Kanada im Kieler Schloß.
"Die Rechnung sieht verlockend aus", räumt Stefan Kälberer ein. 5000 DM in der Kasse für ein gutes Stündchen Reisegeplauder, garniert mit ein paar Urlaubsbildern, und das in 70 Städten... Da kann ein normaler Arbeitnehmer, der seine Freizeit in Stunden und den Urlaub in Tagen zählt, schon ins Grübeln kommen. Warum hat Kälberer also "höchstens 50 Kollegen" in Deutschland?
Der Markt scheint gesättigt, und die Investitionen sind hoch: 30 000 DM kostet allein die automatische Dia-Ton-Anlage mit vier Projektoren, in die er den kompletten Bildablauf auf die Sekunde genau einprogrammiert hat, inclusive Musikbegleitung. Nur den Text spricht Kälberer live. Und wenn die Technik mal streikt? "Eine Horrorvorstellung". Für die nächste Tour will er Ersatzprojektoren kaufen.
"Ich habe hoch gepokert", sagt er, "denn ich wollte nicht klein anfangen, sondern gleich in die mittelgroßen Säle." Unterwegs ist er im eigenen VW-Bs, der ihm auch das Hotel ersetzt. Nach einem Jahr sei er nun aus den roten Zahlen - bei 300 Besuchern im Schnitt. Die erwarten von ihm übrigens mehr Stimmungsbilder und persönlich gefärbte Eindrücke als nüchterne Informationen, die es auch in Büchern gibt.
Das Kontept geht also auf. Vorausgesetzt das Thema stimmt. Zu speziell darf es nicht sein. "Australien", "Irland" oder "USA - der Westen" heißen die Klassiker, bei denen man kaum etwas falsch machen kann. Oder "Neuseeland", das Kälberer von März bis Juni mit dem Mountain-Bike beradeln will. "Bei weitem nicht mit der Vorfreude wie beim erstenmal", gibt er zu. Offenbar läßt die Spontaneität und Freiheit des Reisens mit zunehmender Planung und Verwertung nach.
Zwar stellen etliche Sponsoren Fahrrad, Bekleidung und Ausrüstung, doch dafür müssen die Klamotten auch mit auf´s Foto. "Ich will mich nicht verstricken", sagt Kälberer. Mehr Probleme macht dem Naturfreund allerdings, daß er soviel Auto fahren muß, dabei die Umwelt verpestet und zwangsläufig zur touristischen Erschließung der letzten einsamen Gebiete der Erde beiträgt.
Und so ist für ihn der Job als Vertreter in Sachen Reisefieber zwar "der beste, den ich je hatte." Aber sein eigentlicher Traum sieht anders aus: ein Häuschen auf dem Lande, wo er autark leben kann und sein Brennholz selbst schlägt. Und das, so hofft er, findet er vielleicht auch im Schwarzwald.