
Die Realität aber sieht anders aus! Die meisten Reisejournalisten träumen von Key West und schreiben über Bad Wimpfen. Die meisten Reisejournalisten träumen vom Ritz, während sie im VW-Bus frieren. Die meisten Reisejournalisten träumen von Sponsoren und bangen um die Bezahlung ihrer letzten Rechnung . Es gibt einfach zu viele. Es gibt einfach viel zu viele auf einem viel zu kleinen Markt.
Was aber tun, wenn es wieder einmal nicht reicht für die Reise nach Key West, für das Zimmer im Ritz, für die Butter aufs Brot? Diese Frage diskutierte ich mit einem Freund, der seit Jahren mit dem Reisebus kreuz und quer durch Europa kurvt und so nebenbei auch noch ordentliches Geld verdient. "Warum machst du nicht einfach den Busschein?" fragte er ganz lapidar. Ein paar Tage später war meine Entscheidung gefallen! Also nichts wie rein in die nächste Fahrschule, Schein gemacht und raus in die große weite Welt.

schließlich am Nordkap ebenso zu Hause wie im Einbahnstraßenlabyrinth von Rom. Sie steigen nur in Hotels ab, die ihnen Pralinen aufs Kopfkissen legen und die Zimmerbar wohlgefüllt halten. Sie akzeptieren niemals Menüs mit weniger als sieben Gängen, auch wenn sie mit dem vielen Besteck nicht klar kommen, und sie tragen üppige Goldkettchen, titanium-nitrit-verspiegelte Sonnenbrillen und Lederwestchen aus Rindnappa.
So kam es, dass ich mich plötzlich auf der Fahrschulbank wiederfand. Zusammen mit Pubertierenden, die vom schnittigen Roller träumen, mit Jünglingen, die vom noch schnittigeren Golf GTI träumen und ein paar bodenständigen Landeiern, die mit Opas Trekker endlich auf die Straße wollen. Ich hing über Prüfungsbögen, deren drollige Bildchen schon seit 50 Jahren unverändert Generationen von Führerscheinbewerbern amüsieren. Ich musste beweisen, dass ich das richtige Verhalten im Verkehr kenne und mein Wissen durch korrekt positionierte Kreuzchen dokumentieren.

Kraftwagen Vorrang oder muss ich erst den blauen Kraftomnibus passieren lassen, bevor ich den roten Kraftradfahrer aus dem Sattel hole? Die amtlichen Prüfungsbögen sind durchaus in der Lage, selbst einem Kraftfahrer mit 20 Jahren Praxis bislang unbekannte Fakten zu vermitteln. Ich lernte, dass ich eine Blendung durch mir bei Dunkelheit und Regen entgegenkommende Fahrzeuge nicht durch Einschalten des Fernlichts vermeiden kann. Oder dass ich, bei Nebel unterwegs, nicht in der Fahrbahnmitte mit der Leitlinie zwischen den Rädern fahren darf. Selbst dann nicht, wenn ich die Nebelscheinwerfer und die Nebelschlußleuchte eingeschaltet habe. Die korrekte Antwort muss ganz eindeutig lauten Nein, weil der Gegenverkehr gefährdet werden kann.
Knüppeldick kam es in den Zusatzbögen für die Klasse 2 (heute Klasse C) und die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung in Kraftomnibussen, kurz KOM. Da musste ich plötzlich wissen, was zu veranlassen ist, wenn durch Verschleiß der Zugöse und des Kupplungsbolzens das Spiel größer als 5 mm geworden ist oder dass ein Busfahrer den Fahrdienst nicht ausüben darf, wenn ein Mitglied seiner häuslichen Gemeinschaft an einer meldepflichtigen, übertragbaren Krankheit leidet oder dass bei einem druckluftgebremsten Fahrzeug, das mit Membran-Bremszylindern ausgerüstet ist, die Einstellung des Bremsgestänges häufig überprüft werden muss, wenn keine automatischen Gestängesteller vorhanden sind. Selbst das Bremspedal heißt plötzlich nicht mehr Bremspedal, sondern Trittplattenbremsventil, auch wenn es weiterhin die Aufgabe hat die Geschwindigkeit bis zum Anhalten des Fahrzeugs an einer bestimmten Stelle zu verringern.

Fahrprüfung durfte ich dann meine neu erworbenen Fähigkeiten an einer stark frequentierten Kreuzung unter Beweis stellen. Nachdem ich die Geschwindigkeit des mächtigen Fahrzeugs bis zum völligen Stillstand verringert hatte, wartete ich erst einmal ab, bis sich der gelbe Pkw und der blaue Lkw dünne gemacht hatten. Als auch nach längerem Abwarten kein roter Kraftradfahrer auftauchte und weder die Geduld meines Prüfers noch die meines Fahrlehrers unendlich waren, blieb mir nichts anderes übrig, als über das Fernschaltgestänge den zweiten Gang des Heckmotor-KOM einzulegen. Durch sanften Druck auf das Fahrpedal erhöhte ich leicht die Mindestdrehzahl des 13,7 l – V6 – 280 kW – Dieselmotors und konnte damit beginnen, den Kraftfluß des Motors über die Reibungskupplung in Richtung der Zwillingsräder an der Hinterachse zu lenken. Kurz, das 51-sitzige Ungetüm ruckend in Richtung Kreuzungsmitte in Bewegung zu setzen. Durch den geschickt koordinierten Einsatz von Fernschaltgestänge, Trittplattenbremsventil und Fahrpedal gelang es mir, den Kreuzungsbereich unbeschadet zu passieren.
Nur beim Abbiegen und nachfolgenden Überfahren des Bordsteins rumpelte es etwas. Der Prüfer teilte mir leicht genervt mit, dass das Bestehen der Prüfung eine vom Gesetzgeber als sicher und gewandt definierte Fahrzeugbeherschung erfordere und dass von KOM-Führern ergo erwartet werde nicht über Bordsteine zu rumpeln. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen wurde mir nach der Prüfungsfahrt mitgeteilt, dass ich, wenn auch knapp, bestanden habe. Zu den großen Mysterien des Lebens zählen für mich, neben Videorecordern, die völlig unerwartet doch noch das korrekte Programm zur rechten Zeit aufzeichnen und der wohl nie zu beantwortenden Frage, warum müde Kleinkinder brüllen, statt einfach nur zu schlafen, auch völlig unverhofft bestandene Prüfungen.

Und so geschah das Unglaubliche. Plötzlich war es mir möglich, die regelmäßig in meinem Finanzhaushalt klaffenden Löcher zu stopfen und doch weiterhin zu reisen. Glücklicherweise will nicht jeder mit so einer großen Kiste kreuz und quer über Europas Bordsteine rumpeln. Und so bekam ich bereits wenige Tage später, den noch feuchten Busschein in Händen, den Schlüssel zu einem Reisebus im Wert eines stattlichen Einfamilienhauses in die Hand gedrückt.
Zugegeben, anfangs fühlte ich mich, um es vorsichtig auszudrücken, noch leicht überfordert. Schließlich musste ich nicht nur fahren, sondern nebenbei auch noch Fragen der Fahrgäste beantworten, den Weg nach Italien finden, das Mittagessen in San Gimignano bestellen, Kaffee kochen, der nicht zu stark sein durfte und Würstchen heiß machen, die nicht platzen durften. Dabei kreisten meine Gedanken doch nur um die Frage, wie, verflucht noch mal, wie kriege ich den nächsten Gang rein!? So habe ich anfangs das Schreiben und Fotografieren etwas aus den Augen verloren. Irgendwann aber kam es dann wieder mit Macht über mich. Und mit diesem Beitrag ist für die Besucher von kurz-belichtet.de endlich die Frage beantwortet, die all die Ortsangaben der Bildunterschriften mit der Zeit aufgeworfen haben dürften: Wie macht der das bloss? Diese Woche ein Streiflicht aus den schottischen Highlands, nächste Woche eins aus London, übernächste Woche aus der Bretagne ...

lässt sich das Busfahren mit dem Schreiben und Fotografieren verbinden? Nach ziemlich genau acht Jahren und annähernd 500.000 Kilometern am großen Lenkrad, kann ich nur sagen: ganz gut. Natürlich ist auch dieses Unterfangen, wie das meiste im Leben, Kompromiss und ewige Gratwanderung zugleich. Der Spagat zwischen Reiselust und Reisefrust ist nicht immer ganz einfach zu meistern. Aber weder neben einem normalen nine-to-five Job noch bei einer freiberuflichen Tätigkeit hätte ich es mir je leisten können, so viel zu Reisen und dafür auch noch gutes Geld zu bekommen.
Natürlich gibt es auch Tage, an denen mir das Reisen zu viel wird und ich den Zündschlüssel am liebsten in den nächsten Gully schmeißen würde. Andererseits aber weiss ich ganz genau, dass ich heulen würde, würde mir kein Busunternehmer mehr einen Schlüssel samt Fahrauftrag in die Hand drücken. Angenehmer Nebeneffekt und nicht zu unterschätzender Vorteil in unsrer Zeit: Durch diesen Job wird man entweder flexibel oder man geht unter. Weiss man doch bei den wenigsten Fahrten so ganz genau, was da auf einen zukommt. Aber wie sagte schon Forrest Gump im gleichnamigen Film: Meine Mama hat immer gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie was man kriegt! Und es ist unglaublich, aber wahr: manchmal liegt in meinem Hotelzimmer tatsächlich eine Praline auf dem Kopfkissen ...



13.3. - 18.3. 6 Tage Brighton Südengland
26.3. - 1.4. 6 Tage London England
7.4. - 9.4. 3 Tage Amsterdam Niederlande
24.4. - 30.4. 6 Tage Budapest Ungarn
3.5. - 6.5. 3 Tage Bourg en Bresse Frankreich
7.5. - 13.5. 6 Tage Prag Tschechische Republik
17.5. - 23.5. 6 Tage Hastings Südengland
26.5. - 28.5. 3 Tage Kufstein Österreich
2.6. - 11.6. 9 Tage Le Pradet Südfrankreich
14.6. - 15.6. 2 Tage Berlin Deutschland
18.6. - 23.6. 6 Tage Plymouth Cornwall
26.6. - 1.7. 5 Tage Hastings Südengland
10.7. - 16.7. 7 Tage Edinburgh Schottland
18.7. - 21.7. 4 Tage Strasbourg Elsaß
24.7. - 29.7. 5 Tage Hastings Südengland
3.8. - 5.8. 2 Tage St. Feliu Spanien
14.8. - 25.8. 12 Tage Rundreise Schottland
27.8. - 29.8. 2 Tage Calella Spanien
1.9. - 9.9. 10 Tage Bretagne Frankreich
17.9. - 21.9. 5 Tage Schwerin Mecklenburger Seen
24.9. - 30.9. 6 Tage Newquay Cornwall
9.10 - 13.10. 5 Tage Lido di Camaiore Italien
20.10. - 27.10. 7 Tage Brighton Südengland
