
Auflösung: 10,01 Millionen Pixel effektiv (Sensor 10,3 Millionen Pixel total)
Sensorgröße: 1/1,75 Zoll (ca. 7,4 mm x 5,5 mm)
Speichermedium: SD-Card, SDHC-Card, MultiMedia Card
Einschaltzeit: unter 2 Sekunden
Bildgröße: Seitenverhältnis 4:3 oder 3:2
3.648 x 2.736 Pixel / 4:3 / 10 Megapixel / RAW / ca. 14,4 MB (Adobe DNG)
3.648 x 2.432 Pixel / 3:2 / 8,9 Megapixel / RAW / ca. 12,8 MB (Adobe DNG)
3.648 x 2.736 Pixel / 4:3 / 10 Megapixel / JPEG / ca. 3,6 MB (Kompression Fein)
3.648 x 2.736 Pixel / 4:3 / 10 Megapixel / JPEG / ca. 2,1 MB (Kompression Normal)
3.648 x 2.432 Pixel / 3:2 / 8,9 Megapixel / JPEG / ca. 3,2 MB (Kompression Fein)
3.648 x 2.432 Pixel / 3:2 / 8,9 Megapixel / JPEG / ca. 1,9 MB (Kompression Normal)
2.736 x 2.736 Pixel / 1:1 / 7,5 Megapixel
3.264 x 2.448 Pixel / 4:3 / 8,0 Megapixel
2.592 x 1.944 Pixel / 4:3 / 5,0 Megapixel
2.048 x 1.536 Pixel / 4:3 / 3,1 Megapixel
1.280 x 960 Pixel / 4:3 / 1,2 Megapixel
640 x 480 Pixel
Objektiv: 3fach optisches Zoom / 5.1 - 15.3mm (entsprechend 24 - 72mm bezogen auf KB)
Blendenbereich: f2.5 - f9.1 bei 5.1mm und f4.4 - f15.8 bei 15.3mm
Verschluss: 1/2.000 bis 180 Sekunden
Bildstabilisator: mechanisch per CCD-Shift
Datenübertragung: USB 2.0
Sucher: kein optischer Sucher
aufsteckbarer elektronischer Sucher (VF-1 mit 200.000 Pixel) als Zubehör erhältlich
Monitor: TFT-LCD-Monitor mit 230.000 Pixel bei 2,5" bzw. 6,35 cm Bildschirmdiagonale
Display-Helligkeit in 9 Stufen einstellbar
Abmessungen: 112 x 58 x 25 mm (Objektiv versenkt)
Gewicht mit Akku: 260 Gramm

... nach dem Auspacken der Kamera: meine Güte ist die klein! Der zweite Eindruck: Yeah, das Teil fühlt sich wertig und solide an! Das robuste Metallgehäuse und die griffige, angenehm in der Hand liegende Gummierung schaffen sofort Vertrauen. Und kurz nach dem ersten Einschalten wird klar: das ist eine Kompaktkamera für Fotografen. Das Menü ist für alle, die schon mal mit einer Digitalkamera gearbeitet haben, mehr oder weniger selbsterklärend und alle wichtigen Funktionen sind schnell und ohne lästige Umwege zu erreichen.
Das nicht schwenkbare Display aber stört mich sofort. Nach zwei Jahren mit der Canon G3 (mit ihrem genialen, in alle nur denkbaren Richtungen schwenkbaren Display) und nunmehr drei Jahren mit der Canon 20D, komme ich mit dem Fotografieren "an ausgestreckten Armen" einfach nicht mehr klar. Leider war die Kitversion mit dem aufsteckbaren, elektronischen Sucher zum Zeitpunkt meiner Bestellung bei meinem Händler nicht vorrätig. Aber ich habe ihn nachgeordert und bei der Gelegenheit auch gleich die Gegenlichtblende mitbestellt.

Kaum war der 22 Gramm schwere Sucher VF-1 eingetroffen und auf den Blitzschuh aufgesteckt ist klar: damit lässt´s sich arbeiten. Alle Belichtungsinfos sind gut abzulesen, auch wenn mich das winzige Sucherbild nicht gerade zu Begeisterunsgstürmen verleitet. Der etwa 200.000 Pixel auflösende Minisucher macht es schwer, kleinere, für die Bildkomposition aber dennoch wichtige Details zu erkennen. Nichtsdestotrotz: so kann man auch bei hellstem Umgebungslicht, wenn auf dem Kamera-Display nix mehr zu erkennen ist, das Bild problemlos arbeiten. Leider bietet der um 90° nach oben schwenkbare Sucher nicht die Möglichkeit, auch aus etwas größerem Abstand zu arbeiten - das Auge muss an der Muschel anliegen, um das kleine Bild erfassen zu können. Wäre auch zu schön gewesen, nach klassischer Mittelformatmanier, unauffällig aus der Hüfte zu schießen. Zu diesem Thema aber später noch mehr. Zusammen mit der Gegenlichtblende aber, an ihr findet die linke Hand perfekten Halt und das Objektiv ist vor Stößen geschützt, habe ich nun das Gefühl, eine richtige Kamera in Händen zu halten.





der Ricoh Caplio GX100 mit meiner Canon 20D. Das heißt schon Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Da ich diese Kamera aber als Ergänzung zur 20D angeschafft habe und die Bilder später in gemeinsamen Bildstrecken verwenden möchte, muss sich die Ricoh diesem Vergleich stellen. Aber die extrem clean und homogen erscheinenden Bilder der 20D, das Markenzeichen des CMOS-Sensors von Canon, bilden eine ganz eigene Liga. Da kommen selbst die grossen CCD-Sensoren in Spiegelreflexkameras anderer Hersteller nur schwer mit. Alles in allem liefert die kleine GX100 mit ihrem winzigen CCD-Sensor eine beindruckende Performance.
Man sollte ohnehin nicht vergessen: Zur Standortbestimmung mag das hier praktizierte Pixel-Peeping in Ordnung sein. Aber das Betrachten von Bildern am Monitor in der 100%-Darstellung deckt natürlich gnadenlos alle Stärken und Schwächen von Sensor und Objektiv auf. Daher sollte man dabei nie vergessen, dass Bilder entweder auf dem Monitor als Ganzes, und nicht als winziger Ausschnitt, oder aber als Ausdruck betrachtet werden. Und da sieht die Welt gleich ganz anders aus. Sorgfältig bearbeitet, lösen sich die Unterschiede bei den beiden Bildern der Houses of Parliament beim Ausdruck in der Größe DIN A4 nahezu in Wohlgefallen auf. Und das darf wörtlich genommen werden. Der Unterschied ist, bei ISO 80 und 100, so gering, dass er in der Praxis nicht ins Gewicht fallen dürfte. Im Klartext: die Ricoh Caplio GX100 liefert, sorgfältiges Arbeiten, niedrige ISO-Einstellung und sorgfältige Nacharbeit am PC vorausgesetzt, ein Ergebnis ab, das dem einer Canon 20D kaum nachsteht. Allerdings erfordern deren Bilddateien deutlich weniger Nacharbeit am PC.

Das Zoomobjektiv, so viel darf schon jetzt verraten werden, ist von aussergewöhnlicher Qualität und die Anfangsbrennweite von 24mm empfinde ich, der ich nie ein ausgesprochener Weitwinkel-Fanatiker war, zwischenzeitlich als ausgesprochene Bereicherung. Vor allem hier, im Weitwinkelbereich, liefert das Ricoh-Zoom eine beeindruckende Auflösung und kaum Farbsäume. Die Testaufnahmen (ein auf einem Parkplatz in Glasgow abgestellter Übertragungswagen der BBC) wurden mit einem stabilen Stativ und Selbstauslöser aufgenommen, um Verwacklungsunschärfe auszuschließen. Da ich mit zunehmender Brennweite den Aufnahmeabstand vergrößerte, um so den gewählten Bildausschnitt beizubehalten, lässt sich die Abbildungsqualität bei den unterschiedlichen Brennweiten gut vergleichen.

Vergleich der Dateigrößen bei Einstellung 24mm und Blende... f 2.5 - f 3.6 - f 5.1
7,80 MB 7,86 MB 7,81 MB

Vergleich der Dateigrößen bei Einstellung 35mm und Blende... f 2.9 - f 4.1 - f 5.8
7,78 MB 7,85 MB 7,78 MB

Vergleich der Dateigrößen bei Einstellung 72mm und Blende... f 4.4 - f 6.3 - f 8.9
7,76 MB 7,81 MB 7,66 MB

Bei Einstellung 24mm liefert das Objektiv bereits bei offener Blende eine Leistung, die beeindruckt und sich auch durch abblenden um eine Blendenstufe auf f3.6 nur noch geringfügig steigern lässt. Bei Blende f5.1 geht die Kurve dann schon wieder nach unten und die Abbildungsqualität ist nicht mehr besser als bei offener Blende. Das spiegelt sich auch in den Nettodateigrößen exakt wieder. Der Kopf der winzigen Kreuzschlitzschraube ist klar und deutlich zu sehen, eine hervorragende Leistung, bedenkt man den Bildausschnitt. Und auch in den Ecken gibt es nichts auszusetzen, hier lässt die Schärfe ebenfalls nichts zu wünschen übrig.
Bei Einstellung 35mm zeigt sich ein vergleichbares Bild. Nur ist hier die Leistung bei offener Blende nicht ganz so gut. Das aber ist nur hier in der 100%-Darstellung zu sehen, im Ausdruck wird kein Mensch den Unterschied bemerken. Bei Einstellung 72mm dagegen muss man schon Tomaten auf den Augen haben, um den Unterschied nicht wahrzunehmen. Abgeblendet um eine Blendenstufe wird das Ergebnis zwar etwas besser, erreicht aber nicht mehr die Leistung wie im Weitwinkelbereich. Um eine weitere Blende abgeblendet, wird´s dann schon recht flau.
Was mir an der GX100 gleich gefallen hat, ist die Einstellung Stufen-Zoom: Hier werden direkt und ohne lästiges hin und her Zoomen die klassischen 35mm-KB-Brennweiten 24 - 28 - 35 - 50 - 72mm angewählt. Was mir anfangs gar nicht gefiel, ist die Tatsache, dass die Ricoh GX100 beim ändern der Brennweite immer auch die Blendeneinstellung verschiebt. Aus Blende f5.7 bei 24mm wird f6.0 (bei 28mm), f 6.5 (bei 35mm), f7.8 (bei 50mm) und f 10 (bei 72mm). Da ich zu 98% im Modus A, also mit Blendenpriorität, arbeite, empfand ich das anfangs als etwas lästig. Den Begriff Blendenpriorität würde ich jedenfalls anders definieren. Dann dachte ich, ich bin ja nicht blöd und nehme einfach den Modus Zeitenpriorität (T) und stelle eben die Verschlußzeit so ein, dass sich die gewünschte Blende ergibt. Denn die muss ja dann von der Kamera bei allen Brennweiten beibehalten werden. Fehlanzeige! Es gibt gar keinen Modus Zeitenpriorität. Neben den Motiv-Programmen, die ich grundsätzlich bei allen Kameras zu ignorieren pflege, gibt es nur noch die Einstellung Programmautomatik und Manuell. Macht man sich aber klar, dass dieses Objektiv über den gesamten Brennweitenbereich abgeblendet um einen Blendenwert zu seiner Bestform aufläuft, macht plötzlich auch die Verschiebung der Blendenwerte beim Zoomen Sinn. So ist sichergestellt, dass das Objektiv bei allen Brennweiten immer exakt um eine Blende abgeblendet bleibt. Diese anfangs von mir als Nachteil empfundene Eigenart der GX100 hat sich so schnell als Vorteil entpuppt.
Chromatische Abberationen (CA), zu deutsch Farbsäume, treten nur sehr moderat in Erscheinung und sind nie ein Problem. Auch das spricht für die hohe Qualität dieses kleinen Zoom-Objektivs. Zudem lassen sich Farbsäume, die immer an Kanten mit besonders hohem Kontrast auftreten, mit den meisten Bildbearbeitungsprogrammen spielend beseitigen.
Wer in Bezug auf die automatische Scharfstellung die Latte nicht zu hoch legt, der wird auch in dieser Hinsicht von der GX100 nicht enttäuscht werden. Dass der Autofocus einer Komapktkamera nicht die Geschwindigkeit einer DSLR erreichen kann, dürfte jedem klar sein. In den meisten Alltagssituationen jedenfalls fokussiert die GX100 schnell und zuverlässig. Hervorragend arbeitet auch der Snapshot-Modus der GX100. Später noch mehr zu diesem interessanten Feature. Erst bei Makroaufnahmen oder wenn das Licht knapp wird, braucht der AF bis zu zwei bis drei Sekunden um scharf zu stellen. Aber auch das ist in dieser Kameraklasse völlig normal und kein Grund zur Klage.
Die Ricoh GX100 bietet eine Bildstabilisierung, auch das noch keine Selbstverständlichkeit bei Kompaktkameras. Dabei handelt es sich aber leider nicht um eine optische Stabilisierung, sondern um die etwas weniger effektive Methode bei der der CCD-Sensor bewegt wird, um Verwacklungen zu kompensieren. Ich habe keine ausgiebigen Tests in dieser Richtung unternommen, habe aber das Gefühl, dass der Zugewinn nicht viel mehr als eine Blendenstufe ausmacht. Viele meiner Weitwinkelaufnahmen waren jedenfalls bereits mit einer Verschlußzeit von 1/8 oder 1/15 Sekunde verwackelt. Vorausgesetzt ich war an dem Tag noch nicht zu oft bei Starbucks, gelingen mir mit meiner Canon 20D und dem 4.0 / 17-40 jedenfalls problemlos scharfe Freihand-Aufnahmen mit einer 1/8 Sekunde. Was ganz einfach an dem deutlich höheren Gewicht von Kamera und Objektiv liegt. Kompaktkameras sind dafür einfach zu leicht und bieten meist auch keinen optimalen Grip.


zeigt die obige Aufnahmen der Eingangshalle des Victoria & Albert Museums in London. Die hervorragende Wiedergabe selbst winziger Details ist mehr als eindrucksvoll. Allerdings sind solch perfekte Aufnahmen nicht mal schnell im vorübergehen zu machen. Für Freihandaufnahmen ist die Ricoh GX100, trotz ihres Bildstabilisators, einfach zu leicht und nur allzu leicht sind die Aufnahmen verwackelt. Bei oberflächlicher Betrachtung wird diese Verwacklungsunschärfe dann schnell als schwache Abbildungsleistung des Sensors fehlinterpretiert. Bei Einsatz eines Ministativs in Verbindung mit dem Selbstauslöser und konsequenter (zeitaufwendiger) Nachbearbeitung der RAW-Dateien am PC zeigt die Ricoh GX100 was tatsächlich in ihr steckt: ein eindrucksvolles Potential!


Zwischen ISO 80 und ISO 100 besteht kaum ein Unterschied im Rauschverhalten des winzigen Sensors der GX100. Bei ISO 200 kriselt es dann doch schon recht deutlich, vor allem in den Schattenpartien. Alles in allem aber eine Performance, die vor ein paar Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen wäre. Für kleinere Ausdrucke mögen die Einstellungen von ISO 400 und darüber durchaus noch in Ordnung sein, für mich aber war schon vor dem Kauf dieser Kamera klar, dass ISO 200 in 98% aller Fälle Ende der Fahnenstange bedeutet. Mit meiner Canon G3 habe ich jedenfalls zu 95% mit ISO 50 gearbeitet und bin mit dieser Strategie immer gut gefahren.
Wenig Freude kommt bei Motiven mit für den Sensor zu hohem Kontrastumfang auf. Wo das Aufhellen dunkler Schattenpartien über die Tiefen/Lichter-Funktion mit den RAW-Dateien meiner Canon 20D eine wahre Pracht ist, ist das mit den RAW-Dateien der Ricoh GX100 ziemlich frustrierend. Das Bildrauschen überdeckt danach fast alle Details in den aufgehellten Bildpartien. Mit Adobe Photoshop Lightroom lässt sich das Bildrauschen in den hellen Partien (z.B. Im blauen Himmel) aber problemlos reduzieren. Große, gleichmäßige Flächen wirken dann deutlich homogener. Das Rauschen in den Schattenpartien aber lässt sich nur schwer beseitigen, ohne gleichzeitig jede Menge Details zu verlieren.
Postitiv aber schlägt die Tatsache zu Buche, dass das Bildrauschen der GX100 ähnlich dem Filmkorn aus analogen Tagen ausfällt. Es ist zum größten Teil monochrom und schillert nicht, wie bei vielen anderen Digitalkameras mit kleinem Sensor, in den buntesten Farben. Im Ausdruck sehen die Resultate daher nicht schlechter aus, als die gescannter Dias oder Farbnegative. Zudem lässt sich das Rauschen, auch wenn das natürlich immer mit Arbeit verbunden ist, mit Programmen wie beispielsweise neat image, ganz gut beseitigen.
Es würde zu weit gehen (und mich zudem tödlich langweilen) hier alle Wahlräder, Knöpfe und Schalter der Ricoh GX100 zu beschreiben. Dafür gibt´s das Handbuch. Hier nur so viel: Diese Kamera ist eindeutig ein für anspruchsvolle Fotografen entwickeltes Wekzeug. Alle wichtigen Funktionen sind schnell und ohne lästige Umwege zu erreichen. Ein kleiner, mit ADJ bezeichneter Wahlschalter erlaubt den direkten Zugriff auf Belichtungskorrektur, Weißabgleich und ISO-Wahl und die individuell belegbare Function-Taste bietet schnellen Zugriff auf eine dem jeweiligen Besitzer wichtige vierte Funktion.
Natürlich ist auch die Ricoh GX100 mit zahlreichen, für meinen Geschmack entbehrlichen Spielereien und Motivprogrammen ausgestattet. Aber die perfekte Bedienerführung macht es leicht, uninteressante Features einfach zu ignorieren. Alles in allem erinnert die Bedienung stark an eine DSLR und ist schlicht und einfach so, wie sie sein sollte: geradlinig und schnell zu begreifen! Und das Display der GX100 ist kontrastreich, brilliant und gestochen scharf - kurz eine wahre Pracht.
Schade: Die Auto-Bracketing-Funktion erlaubt nur Belichtungsreihen mit max +/- 0,5 Blenden Unterschied. Viel zu wenig um, beispielsweise für HDR-Aufnahmen, von Nutzen zu sein.
Ein grosses Lob an Ricoh: die GX100 speichert die RAW-Dateien nicht in einem proprietären, sprich Hersteller spezifischen Format ab, sondern in Adobe´s DNG-Standard. Die Dateigrößen entsprechen dabei in etwa den, ebenfalls verlustfrei komprimierten, Canon CR2-RAW-Dateien (Faustregel: ein Megapixel ergibt eine RAW-Dateigröße von etwa ein Megabyte). Da ich die Ricoh bereits menüseitig auf das mir wesentlich sympathischere Seitenverhältnis von 3:2 des klassischen KB-Films eingestellt habe - mit dem für Kompaktkameras üblichen Seitenverhältnis 4:3 konnte ich mich nie anfreunden - erwartete ich daher Dateigrößen von rund 9 MB (4:3 = 10 Megapixel / 3:2 = 8.9 Megapixel). In Wirklichkeit aber sind die DNG-RAW-Dateien der GX100 exakt 12,9 MB gross. Und zwar ausnahmslos alle Bilder, unabhängig von Motiv und ISO-Wahl (hohe Empfindlichkeiten ergeben aufgrund des stärkeren Bildrauschens grundsätzlich grössere Dateien).
Das Rätsel war schnell gelöst: der kamerainterne Bildprozessor scheint die Dateien schlichtweg nicht zu komprimieren! Bei den heutigen Preisen für Speicherkarten kein ernsthaftes Problem, aber dennoch nicht ganz nachvollziehbar. Beim Import der Dateien in Adobe Photoshop Lightroom habe ich dann einfach mal, obwohl es sich ja schon um DNG-Dateien handelt, die Importoption Fotos als digitales Negativ (DNG) kopieren und importieren gewählt und siehe da: die danach gespeicherten Dateien sind plötzlich, motiv- und ISO-abhängig, zwischen 7.5 und 9 MB gross. So lässt sich bei der Archivierung dann doch noch ordentlich Speicherplatz sparen.
Leider speichert die Ricoh GX100 RAW-Dateien nur in Verbindung mit JPEGs (in höchster Auflösung und bester Qualität zusätzlich runde 3,6 MB). Daher passen auf eine 2 GB SD-Karte gerade einmal 131 Bilder. Zum Vergleich: meine Canon 20D packt über 220 Bilder auf eine 2 GB CF-Karte! Meine Vermutung: der Bildprozessor kann nur JPEGs anzeigen, aber keine RAW-Dateien. Dazu gleich mehr beim Thema Wiedergabe-Modus...
Mit einer Speicherzeit von rund fünf Sekunden für ein RAW-Bild ist die Ricoh nicht gerade schnell zu nennen, aber damit kann ich leben. Da ich ausschliesslich RAWs belichte, ist der Serienbild-Modus der GX100 für mich nicht existent. In Verbindung mit JPEGs kommt die Kamera auf etwa 1,5 Bilder pro Sekunde und das so lange bis die SD-Karte voll ist, der kamerainterne Zwischenspeicher limitiert also nicht. Nicht schlecht für eine Kompaktkamera.
Die Ricoh GX100 zeigt die Tonwertverteilung im Bild als Vorschau und im Wiedergabe-Modus an. Leider aber ist das Histogramm so winzig, dass es mir eher wie eine Alibifunktion erscheint. Einen echten Nutzwert daraus zu ziehen ist schwer, da es in dem winzigen, transparent dunkelgrau unterlegten Quadrat, das ohne Begrenzungsrahmen auskommen muss, kaum möglich ist, exakt zu beurteilen, ob helle oder dunkle Bereiche bereits an den Rand stoßen. Das Histogramm der GX100 hätte ein vielfach grösseres, grosszügiger dimensioniertes Rechteck verdient, um perfekt damit arbeiten zu können. Schade um die vertane Chance...
Im Wiedergabe-Modus bietet die GX100 die Qual der Wahl. Version 1: Vollbild nur mit Weißsättigungsanzeige (überbelichtete, ausgefressene Bildpartien blinken schwarz) / Version 2: Vollbild ohne alles / Version 3: Vollbild mit Infos zu Dateiformat, Bildnummer, Blende und Verschlußzeit, Akkustand sowie Datum und Uhrzeit und wem das nicht reicht, der kann zu Version 4 weiter zappen: hier gibt´s zusätzlich noch das Mini-Histogramm und Infos zu ISO-Wahl und Belichtungskorrektur. Spätestens bei Version 4 ist dann vom eigentlichen Bild so gut wie nichts mehr zu sehen. Weniger wäre hier eindeutig mehr, mir würden jedenfalls zwei Modi völlig genügen: 1x Vollbild ohne alles und 1x Vollbild mit ISO-Wahl, Belichtungskorrektur, Blende, Verschlußzeit, Dateinummer und Histogramm. Bis auf letzteres könnten alle Infos am unteren Rand (wie bislang die überflüssige Uhrzeit und das Datum) eingeblendet werden. Das lästige hin- und her zappen zwischen 4 Modi wäre überflüssig.
Leider bietet die GX100, wie bereits erwähnt, nur die Möglichkeit RAW-Dateien in Verbindung mit JPEGs abzuspeichern. Um Speicherplatz zu sparen, habe ich daher anfangs die (unerwünschten) JPEGs in der Größe 640 x 480 Pixel gewählt. Dann aber lässt sich im Wiedergabemodus nur bis zum Vergrößerungsfaktor 3,4x in die Bilder hineinzoomen und dabei siehts dann so pixelig aus, dass eine Schärfekontrolle schlichtweg unmöglich ist. Erst bei JPEGs in voller Auflösung (Qualität Normal oder Fein) lässt sich dann bei bis zu 16x Vergrößerung die Schärfe exakt beurteilen. Meine Vermutung: Der Bildprozessor kann die RAW-Dateien nicht anzeigen und ist daher auf das parallele Abspeichern von JPEGs angewiesen.
Vorbildlich dagegen die Möglichkeit, mit nur einem Knopfdruck zwischen Vollbild und maximaler Vergrößerung hin und her zu springen. So können Bildgestaltung und Bildschärfe schnell und unkompliziert kontrolliert werden. Bei vielen anderen Kameras (u.a. bei meiner Canon 20D) muss 15x auf denselben Knopf gedrückt werden, um zur maximalen Vergrößerung zu gelangen, was schlichtweg lästig ist.
Die angegebenen 380 Aufnahmen pro Akkuladung habe ich bislang nicht erreicht. Die Akku-Statusanzeige der GX100 zeigt im voll geladenen Zustand drei grüne Balken. Nach rund 100 bis 120 Aufnahmen springt die Anzeige dann auf zwei grüne Balken. Nach spätestens 150 belichteten Bildern erscheint die Anzeige Battery Low (ein gelber Balken) im Display. Dann schaltet sich die Kamera nach meinen Erfahrungen nach einem weiteren Dutzend Bildern selbständig ab. Mir reicht das in aller Regel für einen ganzen Tag und ein Zweitakku (für rund 30,- € zu haben) gehört bei einer Digitalkamera ohnehin in die Fototasche. Zudem kann die Ricoh Caplio GX100 alternativ, sprich ohne lästigen Adapter, auch mit zwei AAA-Batterien betrieben werden. Dafür gibt Ricoh 35 mögliche Aufnahmen an. Bei mir schaltete sich die Kamera bei zwei versuchsweise eingelegten AAA´s bereits nach einem Dutzend Bildern ab! Ein Notbehelf also - nicht mehr, nicht weniger.
Wie die meisten digitalen Kompaktkameras bietet auch die Ricoh GX100 eine beindruckende Performance bei Aufnahmen im Nahbereich. Bei Einstellung auf 24mm bildet das Zoom bereits Gegenstände scharf ab, die gerade mal einen Zentimeter vor der Objektiv-Vorderkante liegen. Aufgrund der dabei relativ starken Verzerrung im Weitwinkelbereich macht das aber wenig Sinn, zumal die erfassbare Fläche bei Teleeinstellung sogar noch etwas kleiner ist. Bei einem Aufnahmeabstand von vier Zentimetern erfasst das Zoomobjektiv der GX100 bei Einstellung auf 72mm einen Bildausschnitt von etwa 2,5 x 2 cm (bei 24mm sind es knappe 3 x 2,2 cm). Allerdings brauchen Makroaufnahmen etwas Geduld. Je nach Motiv verstreichen bis zu zwei Sekunden, bis der AF im Makrobereich scharfgestellt hat.


Ein weiteres interessantes Ausstattungsdetail der Ricoh GX100 ist eine Sonderfunktion, mit deren Hilfe im Makrobereich der dann als Fadenkreuz im Sucher dargestellte AF-Punkt frei auf den gewünschten Bildteil ausgerichtet werden kann. Vor allem beim Arbeiten mit Stativ kann so das Bild komponiert werden, um dann vor der Aufnahme den Schärfebereich exakt dort zu positionieren, wo man ihn haben möchte. Man sieht, dass sich die Ricoh-Ingenieure viel Gedanken um die Bedürfnisse ernsthaft arbeitender Fotografen gemacht haben.
Ein echtes Highlight der GX100 ist der Snapshot-Modus. Dabei stellt die Kamera automatisch auf die hyperfokale Länge scharf. Das geht atemberaubend schnell und die damit gemachten Aufnahmen sind fast ausnahmslos perfekt scharfgestellt. Und das ist gut so! Denn das ausklappbare Display meiner Canon G3 noch immer vermissend (...schon gut, ich kann das Gegreine selbst nicht mehr hören) experimentierte ich gleich nach Anschaffung der Ricoh (nein, das ist kein Witz) mit einem unters Stativgewinde geschraubten Schminkspiegel. Mit einer an ausgestreckten Armen auf Passanten gerichteten Kamera lässt es sich nunmal schwerlich unauffällig fotografieren. Und mit einer unauffällig vor den Bauch gehaltenen Kamera geht das ebenso wenig, wenn man dabei das Display nicht sieht. Mit dem Schminkspiegel aber ging das plötzlich. Plötzlich konnte ich den erfassten Bildausschnitt kontrollieren und auslösen, während die Abgelichteten noch dachten, was fummelt der Depp so lang an seiner Kamera rum...
Nun hat dieses Verfahren leider einen gravierenden Nachteil, das Spiegelbild ist - wie der Name nahelegt - dummerweise spiegelverkehrt. Selbst mit einigem Üben ist es mir altem Grobmotoriker ;-( nicht gelungen, die gewünschten Ausschnitte schnell und zielsicher im Display zu platzieren. Bis ich mir klar gemacht hatte, ob ich das Ding nun nach rechts oder nach links kippen muss, um den Horizont endlich grade zu kriegen, waren die Motive längst Vergangenheit, sprich um die Ecke verschwunden.

Da ich ungern eine Idee aufgebe, versuchte ich es einfach mal mit Schüssen aus der Hüfte, in Verbindung mit dem Snapshot-Modus der GX100. Und siehe da, das funktioniert gar nicht schlecht! Der Snapshot-Modus sorgt, in Verbindung mit der enormen Tiefenschärfe des kleinen Sensors, zuverlässig für scharfe Aufnahmen und mit dem 24mm Weitwinkel ist es mit etwas Übung gar nicht mal so schwer (in etwa) den gewünschten Bildausschnitt abzulichten. Plötzlich und wider Erwarten ermöglicht mir die GX100 doch noch die unauffällige Street Photography und ich habe eine für mich völlig neue Fotokategorie entdeckt: die waistshots_24 !
Teures Spielzeug oder ernst zu nehmendes Werkzeug? Das war die eingangs gestellte Frage! Nun, nach ziemlich genau vier Monaten mit der Ricoh GX100, fällt mir die Antwort recht leicht. Diese Kamera ist ein durch und durch ernst zu nehmendes Werkzeug, bei weitem nicht perfekt - aber auch nicht allzu weit davon entfernt. Wo Licht ist, war schon immer auch Schatten, welcher Fotograf wollte sich darüber beschweren!? Begeisternd ist die Anfangsbrennweite des Zooms von 24mm - die empfinde ich, wie schon erwähnt, als ausgesprochene Bereicherung - und auch die durch den kleinen Sensor bedingte grosse Tiefenschärfe ist in vielen Situationen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Stärkster Kritikpunkt ist für mich das Rauschverhalten des kleinen Sensors. Ich bin überzeugt, dass diese Kamera auch mit einer Auflösung von sieben oder acht Megapixel noch genügend Details zu liefern im Stande wäre, dafür aber wesentlich weniger rauschen würde. Aber gegen Marketingstrategen ist eben kein Kraut gewachsen und es wird nicht lange dauern, da werden die ersten dieser hoch bezahlten Blindgänger stolz berichten, 14 Megapixel auf wahnwitzig winzige Fläche gequetscht zu haben. Man kann diese Problematik nicht oft genug beschwören: Die Kamerahersteller haben sich hier in einer Sackgasse verrannt. Kaum ein Nutzer schreit unentwegt nach noch mehr Pixeln, aber viele, sehr viele fordern endlich die Beschränkung auf´s Wesentliche. Was wir Fotografen brauchen sind Kompaktkameras, die eine tadellose Bildqualität auch bei höheren Empfindlichkeiten liefern und weniger Nacharbeit am PC erfordern. Kurz und bündig: Qualität statt Quantität!
Aber lassen wir die Kirche im Dorf und machen uns klar, was wir hier für unser Geld bekommen: Meine erste Digitalkamera war, vor genau fünf Jahren, die kompakte Canon Powershot G3 mit schlappen vier Megapixel. Der Preis 2002: satte 900,- €! Heute gibt´s die Canon Powershot G9 mit satten zwölf Megapixel für schlappe 420,- €!! Oder eben für vergleichbares Geld die Ricoh GX100, ebenfalls eine üppig ausgestattete und für ambitionierte Fotografen konzipierte Kamera. Eine Kamera ist ein Werkzeug, nicht mehr, nicht weniger, und man sollte dessen Stärken und Schwächen kennen, um optimal damit arbeiten zu können.
Und nie vergessen: die beste Kamera ist immer die, die man zur Hand hat, wenn´s was interessantes zu fotografieren gibt...

... so wie diesen atemberaubenden Morgenhimmel. Hier war die Ricoh zweifelsohne die perfekte Kamera, da griffbereit in der Hüfttasche und daher schnell zur Hand. Beim Joggen ist mir eine schwere DSLR jedenfalls schlichtweg lästig und daher das falsche Werkzeug! Die GX100 dagegen kann immer problemlos dabei sein und ist so die ideale Ergänzung zur schweren Spiegelreflex-Ausrüstung.
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dpreview.com - Infos und User-Meinungen zur Ricoh Caplio GX100 (nur in englisch)
mygx100 - ausführlicher Erfahrungsbericht eines Users (nur in englisch)