
dachte ich in dem Moment. Verdammt gute Frage, denke ich heute! Uralte Menschheitssehnsucht, uraltes Verlangen, Gesehenes festzuhalten, es dem gnadenlosen Strom des Vergessens zu entreissen, mit anderen zu teilen, was wert ist geteilt zu werden. Ja, das ist schon fast so etwas wie eine erste Antwort auf die Frage. Und eigentlich auch schon genung Legitimierung für die engagierte Fotografie. Ist doch das Verlangen, mit anderen zu teilen, was ebenso egoistisch unter der Decke, sprich in der Schuhschachtel, gehalten werden könnte, ein löbliches Unterfangen, edel und gut. Ein menschliches Urbedürfnis also, gleichzusetzen nur noch mit dem Verlangen, sich verbal über alle Distanzen auszutauschen, unlängst befriedigt durch die Erfindung und nachfolgende Perfektionierung des Mobiltelefons. Oder das uralte Verlangen, sich mühelos und ohne lästige Schweißbildung selbst noch über steilste Konturen unseres Planeten zu bewegen, längst befriedigt durch die Erfindung und Perfektionierung von Flugzeug und Automobil. Die Fotografie war übrigens zuerst da, noch vor dem Automobil und lange, lange vor dem Fluch der permanenten Erreichbarkeit. Das sagt schon einiges über ihren Stellenwert.
wirklich so edel und lobenswert, auf alles und jedes drauf zu halten, und dann hoffnungsvoll bangend die uralte Fotografenfrage zu stellen? Möchtest du meine Bilder sehen? Ist es wirklich so lobenswert, wahllos festzuhalten, was vielleicht besser dem Vergessen überantwortet werden sollte, herum zu zeigen, was bestenfalls zwei Augen sehen sollten, nicht aber deren tausend oder mehr? Fotos über Fotos, Fragen über Fragen und wie immer im richtigen Leben: viel zu viel Antworten. Eins aber ist sicher: Das Fotografieren wird uns heute viel zu leicht gemacht. Und sicher wird heute allzuoft und allzuschnell auf den Auslöser gedrückt. Die Quantität war schon immer der Feind der Qualität. Und dann immer wieder diese Frage! Was macht ihr eigentlich mit euren Fotos? In Alben aus handgeschöpftem Papier kleben, an weiss getünchte Wände projizieren, auf reich gedeckte Kaffeetafeln zwischen all die Kekse legen. Immer mit dieser bangen Frage in den Augen! Darf ich euch meine Bilder zeigen?

das. Und die Antwort erst! Immer unbefriedigend, ganz gleich ob sie lautet Nein Danke, jetzt nicht, später vielleicht oder Ja gern, zeig mal was du da hast. Denn kaum ein Betrachter ist in der Lage, zu sehen was der Fotografierende gesehen hat, zu empfinden, was dieser empfunden hat. So viel Druck im Kessel und so kleine Ventile. Und dann die Kosten! Für Abzüge, Bilderrahmen, Projektoren, Leinwände, Präsentationsmappen, externe USB-Festplatten und Speicherplatz auf WWW-Servern. Wie zeigt ihr eigentlich eure Fotos? Was macht ihr eigentlich damit? Tausende und Abertausende Fotos jedes Jahr, zehntausende nach ein paar Jahren leidenschaftlichen Fotografierens. Und wie viele dieser Lichtbilder finden wieder einen Weg zurück ans Licht, werden wiedergeboren, aus all den staubdichten Diakästen, zugeklappten Alben, magnetischen Speicherplatten? Zehn Prozent? Zwei Prozent? Ein Prozent? Oder keine 0,5 %?
auch in der Fotografie der Weg das Ziel und das materialisierte Resultat vernachlässigbar. Das Wesentliche sollte idealerweise ohnehin im Langzeitgedächtnis landen. Vielleicht aber auch nicht. Die Frage jedenfalls bleibt hartnäckig im Raum. Was mache ich eigentlich mit meinen Fotos? Vielleicht müsste ich sogar fragen, wozu mache ich eigentlich Fotos? Ich denke diese Frage ist leichter zu beantworten, braucht weniger Worte. Es ist ganz einfach: Ich mache Fotos, weil ich dann keine Worte brauche, weil Fotos auch ohne Worte ansprechen, Spielraum lassen für Interpretationen, weil sie Worte ersetzen, Ansichten weitergeben. Also mache ich Fotos, also bin ich! Also ist der Weg zum guten Bild nicht das alleinige Ziel, selbst wenn das Wesentliche tatsächlich in meinem Langzeitgedächtnis landen sollte. Aber dort kann nur ich selbst es betrachten. Es geht aber tatsächlich ums Teilen mit anderen, ums Mitteilen.

Zeiten lenkt mich das Fotografieren schon sehr von der Realität ab. Zugegeben, dann wende ich mich für eine gewisse Zeit von der Welt der Abbildungen ab. Meist aber führt mich die Fotografie geradewegs hinein in die schiere Schönheit der Realität. Hinein in eine faszinierende Wirklichkeit, an der ich sonst vielleicht achtlos vorüber gegangen wäre. Beim Blick durch den Sucher entdecke ich kleine Wunder, gelange auf neue Pfade, entdecke nie gesehene Mikrokontinente, trenne wichtiges von unwesentlichem, versuche Ordnung ins Chaos der visuellen Reizüberflutung zu bringen. Dann vergesse ich die Zeit, Augenblicke dehnen sich zu kleinen Ewigkeiten, kurz ich meditiere. Und wenn alles klappt, finde ich diese Augenblicke später wieder auf dem Fotopapier, dem Monitor meines Notebooks. Was macht ihr eigentlich mit euren Fotos? Als ich diese Frage las, war mir sofort klar, das ist wichtiger als weisser Fingernagelabrieb auf schwarzem Kameragehäuse. Hier geht es ums Wesentliche, das führt hinein in die Tiefen der Fotografie, ja des Menschseins.
wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nix. Gar nix! Wusste nicht was HTML ausgeschrieben heisst, wusste nicht den Unterschied zwischen Homepage und Website und schon gleich gar nicht wie man Bilder auf einen Publish-Server uploaded und damit für die ganze Welt downloadbar macht. Wusste nur, dass ich mit meiner kleinen Canon G3 bereits einige tausend Realitätsabbildungen gesammelt, auf Festplatten und CDs übertragen hatte und jetzt so angefressen war, dass endlich eine digitale Spiegelreflex her musste. Dann las ich diese verfluchte Frage, also ich meine diese verflucht gute Frage Was macht ihr eigentlich mit euren Fotos? Da wurde mir schlagartig klar, dass ein Plan her muss, dass all die Bilder zu Recht ihr Recht fordern, dass all die Bilder irgendwo hin müssen. Dabei meine ich jetzt nicht CD-ROMs, Doublelayer-DVDs oder externe USB-Festplattenspeicher, sondern den Weg zurück ans Licht, in die Öffentlichkeit, in die Veröffentlichung. Also erste Aussendungen fertig gemacht und grosse Freude, NaturFoto bringt meine ersten mit der G3 gemachten Bilder (siehe Beitrag SPIEKEROOG in der Rubrik REISEN). Aber das waren sieben Bilder aus siebentausend und zwischen Vorschlag und Veröffentlichung lagen 14 Monate...

laufen, sagte ich mir. Also weiter Bilder gesichtet, Texte gedichtet, Aussendungen zur Post getragen. Aber ich wusste es ja bereits. Der Markt ist klein, die Chancen auch, die Antworten deutlich. ...wir haben eine gut besetzte Textredaktion und einen festen Stamm freier Mitarbeiter und können selbst Autoren, die uns über Jahre hinweg die Treue gehalten haben, kaum Anschlussaufträge anbieten. Es besteht z. Zt. kein Bedarf an neuen Autoren. Wir bedauern Sie enttäuschen zu müssen. Oder ...vielen Dank für Ihr Artikelangebot. Wir haben den Text mit Interesse gelesen (wirklich!?), sehen jedoch keine Möglichkeit, ihn bei uns im Reiseteil unterzubringen. Die Menge der Einsendungen übersteigt unseren verfügbaren redaktionellen Platz leider stets bei weitem. Bitte haben Sie deshalb Verständnis für diese Absage. Oder ...für das Angebot danken wir Ihnen sehr herzlich. Leider können wir Ihnen nur mitteilen, daß wir es nicht in unser Programm aufnehmen - der enormen Fülle an interessanten Vorschlägen, die uns erreichen, steht nur eine kleine Anzahl an Titeln gegenüber, die auch realisiert werden können. Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen viel Glück und Erfolg bei der weiteren Suche nach einem Verlag. Undsoweiterundsoweiter...

wir eigentlich? Leben wir nicht im goldenen Informationszeitalter!? Wo Bilder aus dem Naturpark Nordschwarzwald bereits wenige Minuten nach Druck auf den Auslöser online gestellt werden und dann in Nordindien, Nordamerika genauso wie auf Norderney betrachtet werden können!? Also her mit der Antwort auf diese leidige Frage. Was macht ihr eigentlich mit euren Fotos? Endlich her mit der eigenen Website! Endlich Schluß mit dem Gesülze... Wir bitten um Ihr Verständnis oder wir wünschen Glück und Erfolg bei der weiteren Suche oder wir bedauern sie enttäuschen zu müssen oder wir sehen leider keine Möglichkeit... Ich sehe ganz deutlich eine Möglichkeit, sehe endlich die Möglichkeit anderen meine Bilder zu zeigen. Hier entscheide ich selbst, welche Bilder veröffentlicht werden und welche nicht. Und das innerhalb weniger Augenblicke. Das gedruckte Bild ist natürlich nach wie vor so etwas wie ein krönender Abschluß, aber ein virtuelles Bild, an die virtuelle Pinwand des WWW geheftet, von (nahezu) jedermann zu betrachten, nein, das ist alles andere als eine schlechte Sache. Nein, das ist eine super Sache und Ja, das ist endlich eine befriedigende Antwort auf diese leidige Frage, die ich allmählich nicht mehr hören kann.
weiterhin Bilder in Kneipen ausstellen, wo sie kein Schwein registriert, werde weiterhin Magazine anschreiben, die keinen Bedarf haben, werde Tageszeitungen mit Beitragsvorschlägen nerven, werde fotografieren und fabulieren, werde Freunde und Bekannte fragen: Soll ich euch meine Bilder zeigen? Aber ich werde jetzt nicht mehr so aufgeregt angespannt auf die Antworten warten. Habe ich doch endlich eine Antwort gefunden auf diese Frage, die jetzt keine mehr ist. Also Schluß mit allder Philosophie und ran an die Photographie. Ich sitze schon wieder viel zu lange am Computer. Eben kommt die Sonne raus. Gutes Licht für eine Stunde sollte noch drin sein. Jetzt, wo ich weiss, was ich mit meinen Bildern machen werde ...